Getagged: Religion

Frank’N’Furter, Lisle von Rhoman und der Finger Gottes

Wenn man sich eine bildliche Darstellung Gottes vor Augen rufen will, so wird man wohl unweigerlich auf Die Erschaffung des Adam von Michelangelo stoßen, den zentralen Teil des Deckenfreskos der Sixtinische Kapelle. Das Bild ist so ikonisch wie kaum ein religiöses Gemälde sonst, und als die Darstellung der Erschaffung des Menschen an sich hat es sich längst im allgemeinen Bewusstsein verewigt.

Von daher ist dieses Gemälde ideal für jede Art von übertragener Nutzung oder auch symbolischer Verwendung, gerade auch in abgewandelter Form. Ob es nun um eine „offizielle“ Darstellung des Spaghettimonsters oder um ganz simple Parodien oder Hommagen an den christlichen Glauben geht, Michelangelos Bild ist stets ein Garant für einen allumfassenden Wiedererkennungswert des Originals.
Unter den endlosen Wiederverwendungen und Verfremdungen des Gemäldes habe ich persönlich zwei ganz klare Favoriten, nämlich die Nutzung der Erschaffung des Adam in der Rocky Horror Picture Show und in dem (sicherlich von ersterem inspirierten) Der Tod steht ihr gut – zwei filmische Werke, die Michelangelos Meisterwerk auf nahezu identische Weise einsetzen.
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Charlie Hebdo und die Verarbeitung in der Kunst – eine Überlegung

Die grauenvollen Ereignisse der letzten Woche haben mich ebenso sehr wie jeden anderen zutiefst erschüttert und, mehr noch, zum Nachdenken gebracht. Es ist nicht nur der Fanatismus und die reine zerstörerische Kraft hinter dem blutigen Anschlag, die mich bewegt, es ist vielmehr das Drama, dass eine kleine Gruppe Wahnsinniger es sich anmaßen kann, eine gesamte Glaubensrichtung zu vertreten, und dass es diesen Fundamentalisten gelingt, all ihre Glaubensbrüder durch ihrer Tat zu beschmutzen. Am Ende hat der Anschlag fanatischen Islamisten und Islamhassern ja gleichermaßen geholfen, und es wird eine grauenvolle Bilanz sein, wenn sich die fehlgeleiteten Demonstranten am Montag vervielfacht haben.

Doch ich bin nicht gut darin, über das Zeitgeschehen zu reden; die aktuelle Politik ist schlichtweg nicht mein Metier. Mich selbst hat der folgenschwere Anschlag viel mehr zum Nachdenken auf einer ganz anderen Ebene gebracht: Die Ereignisse haben in mir den Wunsch geweckt, meine Gefühle und meinen inneren Aufruhr auf schriftstellerische Weise zu verarbeiten.
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Eine Nacht auf dem kahlen Berg – schauriges Glanzlicht der Animationskunst

Wenn mein liebstes Stück Zeichentrick die Nussknacker-Suite (insbesondere Der Tanz der Zuckerfee) in Fantasia ist, so ist das meiner Meinung nach beste Stück Animation überhaupt im selben Film zu finden: Es ist das letzte Segment, Mussorgskis Eine Nacht auf dem kahlen Berg.
Der Film Fantasia ist an sich ja schon ein reines Fest der Zeichentrickkunst. Der gesamte Film ist pure Poesie; eine aus dem Besten der Musik erschaffene Bildkunst. Und wenn die nachfolgenden Package-Filme auch einige nette Ideen beinhalten und der Nachfolger Fantasia 2000 seine ganz eigenen Vorzüge hat, so kann man doch feststellen, dass ein solch ambitioniertes Projekt seither nicht wieder in Angriff genommen wurde.

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Silberschellen und Klatschmohn – der kleine Prinz, Anna und Mister Gott

Die beiden Werke Der kleine Prinz und Hallo Mister Gott, hier spricht Anna gehören für mich unbestreitbar zu den großen Klassikern der Weltliteratur. Diese beiden Bücher, in denen zwei einmalige, überlebensgroße Kindergestalten verewigt worden sind, scheinen mir auf geradezu sonderbare Weise verwachsen. Weswegen das so ist, lässt sich in einem Satz kaum sagen, aber ein Beispiel mag der Vergleich der berühmtesten Zitate der beiden Bücher sein – zwei Zitate, die eine wenn auch nicht ähnliche, so doch auf seltsame Art verwandte Aussage bieten:
„Man sieht nur mit dem Herzen gut. Das Wesentliche ist für die Augen unsichtbar.“
und
„Der Unnerschied von einen Mensch und einen Engel ist leicht. Das meiste von ein Engel ist innen, und das meiste von ein Mensch ist außen.“
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Frollo und Esmeralda – Gebete an Notre Dame

Die Zeichentrickfilme aus dem Hause Disney bewegen sich gewöhnlich in einem bewusst nicht-religiösen Bereich. Es gibt ein paar seltene Figuren wie Schneewittchen, Penny oder Lilo, die beim direkten Gebet gezeigt werden, doch in diesen Fällen geht es nicht um das Gebet an sich, sondern nur darum, die Reinheit und Unschuld der Figuren zu unterstreichen.
Allerdings gibt es im Meisterwerke-Kanon von dieser Maxime eine ganz deutliche Ausnahme: Der Glöckner von Notre Dame. Die Kathedrale Notre-Dame de Paris steht bereits im Namen des Filmes, und das zu Recht. Vom ersten bis zum letzten Bild spielt die gewaltige Kirche eine zentrale Rolle der Handlung, sie wird von den Figuren immer wieder direkt angesprochen und bietet den Schauplatz für beinahe den gesamten Film. Folglich sind in diesem Fall auch religiöse Bilder überall vorhanden, und auch wenn das Thema Christentum selbst nicht allzu deutlich in den Vordergrund gestellt wurde, so weicht der Film der Thematik selten offen aus. Eine nennenswerte Ausnahme ist sicher die Änderung, aus dem Dompropst Frollo einen weltlichen Richter zu machen – eine Entscheidung, die zwar neue Handlungsmöglichkeiten, aber auch einige Logikprobleme öffnete.
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Nightmare before Christmas – Danny Elfman zwischen Dies Irae und Carol of the Bells


Beschäftigt man sich mit Tim Burtons Nightmare before Christmas, so ist eine der ersten Feststellungen notgedrungen, dass man es hier gleich mit zwei Festtagsfilmen auf einmal zu tun hat – eine Tatsache, die disneyintern besonders praktisch ist, da man so die Haunted-Mansion-Feiertagsverzierung von Halloween bis Weihnachten an Ort und Stelle lassen kann.
In der Tat ist es ja gerade der Kontrast der beiden Feste, der Tim Burton erst zu seinem schaurig-festlichen Werk inspiriert hat. Er sah mit an, wie in einem Schaufenster nahtlos von Halloween- zu Weihnachtsschmuck gewechselt wurde, und gerade dieses absurde Zusammenspiel der beiden wohl unterschiedlichsten amerikanischen Feiertage fließt direkt in die Seele von Nightmare before Christmas hinein. Es ist der Kontrast zwischen düster, grausam, schaurig auf der einen Seite und besinnlich, fröhlich, leuchtend auf der anderen – oder kurz gesagt, der Kontrast zwischen Tod und Leben.
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Die Wege des Leibhaftigen in Der Meister und Margarita

Eine der interessantesten Teufelsdarstellungen unserer Zeit bietet Mikhail Bulgakov in seinem 1940 fertiggestellten Roman Der Meister und Margarita. Das Buch erzählt, wie der Leibhaftige unter dem Namen Professor Woland mit seinem Gefolge nach Moskau reist, um dort seinen jährlichen Frühlingsball abzuhalten und es berichtet von den allgemeinen Verwirrungen, die diese Reise bei jedem hinterlässt, der der der Schar auf die eine oder andere Weise über den Weg läuft.
Dabei unterscheidet sich Woland die gesamte erste Hälfte des Buches über kaum von der typischen Teufels-Inkarnation. Praktisch jedes Mitglied der Moskauer Gesellschaft, das ihm begegnet, stellt sich als arrogant, gierig oder schlichtweg dumm heraus, und sie alle werden von ihm oder seinen Dienern auf die eine oder andere Weise abgestraft. Auf diese Weise bietet Bulgakov in seinem Roman eine so sarkastische wie trockene Kritik an der russischen Gesellschaft und dem Staatssystem, die dafür sorgte, dass Der Meister und Margarita mehrere Jahrzehnte auf seine Veröffentlichung warten musste.
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Verborgene Schätze: The Devil’s Carnival

Drei Menschen, die durch ihre eigene Schuld ums Leben kommen, drei Seelen, die in Luzifers Karneval erwachen, drei Prüflinge, die ihre eigenen Fehler wieder und wieder durchleben müssen. Auf der Grundlage der Äsop-Fabeln „Der Hund und sein Spiegelbild“, „Skorpion und Frosch“ und „Trauer und sein Tribut“ werden die Gier der Diebin Miss Merrywood, die Leichtgläubigkeit der jungen Tamara und die Trauer von John, der seinen Sohn verloren hat, in in einem bizarren Zirkus zur Grundlage nächtlicher Attraktionen.

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Hoffnung, Schindlers Liste und der Heilige Abend

Schindlers Liste ist sicherlich kein leicht verdaulicher Film. Doch es gibt eine bestimmte Szene, die den Zuschauer auf ganz besondere Weise mitnimmt – und das, obwohl sie sich relativ weit am Ende des Filmes befindet. Nun, was kann den Zuschauer nach all dem Grauen, nach all dem Sterben und dem Leid noch mitnehmen?
Es ist die Grausamkeit enttäuschter Hoffnung.

Wenn der Zug mit den Jüdinnen, die in Schindlers Fabrik gebracht werden sollten, durch ein reines Versehen nach Auschwitz fährt und den Frauen klar wird, wo sie sich befinden, ist dies unerträglich, eine Erkenntnis schlimmer als jedes andere Leiden. Das liegt nicht etwa an der Verbundenheit des Zuschauers mit diesen Frauen, die man bis dahin kaum kennengelernt hat. Alles was man weiß, ist, dass sie darauf vertraut hatten, zu Schindler zu kommen, und diese Enttäuschung erscheint einfach unerträglich.
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