Getagged: Musicals

Schwarze Mühlen und Zaubererbrüder

Bei der Geschichte von dem Zauberergesellen Krabat handelt es sich um eine alte Sage, die jahrhundertelang in unterschiedlichen Ausprägungen überliefert wurde. Den festen bildet die Gestalt des kroatischen (daher der Name „Krabat“) Zauberers, der durch die Lande wandelt, ob nun mit guten oder bösen Intentionen.
Die heutzutage bei uns bekannteste Version dieser Sage ist wohl Krabat von Otfried Preußler, auch wenn das 1971 erschienene Buch insgesamt betrachtet nur eine von vielen modernen Bearbeitungen des Stoffes ist: Gerade drei Jahre zuvor veröffentlichte Jurij Brězan seine Adaption Die schwarze Mühle.
Im Gegensatz zu den zuvor gängigen Geschichten über den Zauberer Krabat stellt Brězan in seinem Buch die Vorgeschichte in den Vordergrund. Beinahe die Hälfte des Buches beschäftigt sich mit Krabats Lehrzeit auf der Mühle und seinem wachsenden Widerstand gegen den Meister. Die Betonung liegt dabei immer auf dem Hauptbestreben des jungen Mannes: Er sucht nach Wissen, und er will alles dafür tun, dem Meister seine geheimen Bücher abzuluchsen.
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Phantasia – klassische Suite eines modernen Werkes

Unter all den Projekten, die im Laufe der Zeit im Bannkreis von Andrew Lloyd Webbers Phantom der Oper entstanden sind, ist Phantasia für Fans und Liebhaber wohl eines der eindrucksvollsten. Die offizielle Suite zu dem Musical erschien 2005 noch im Fahrwasser des berüchtigten Films und gerade rechtzeitig, um mit der zusätzlichen The Woman in White Suite noch Werbung für Webbers damals aktuelle Show zu machen.

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Das Phantom der Oper – 25 Jahre Musicalgeschichte

Als leidenschaftlicher Anhänger sowohl von Gaston Leroux‘ berühmtestem Schauerroman als auch von Andrew Lloyd Webbers Adaption möchte ich den 25. Geburtstag des Musicals mit einem höchst subjektiven Überblick über seine Geschichte feiern – Vorhang auf für Das Phantom der Oper.
 
Nachdem „Le Fantôme de l’Opéra“ seine Premiere als erfolgreicher Fortsetzungsroman in der Zeitung „Le Gaulois“ hatte, erschien das Buch 1911 erstmals in Romanform. Die tragische Liebesgeschichte von Erik, dem entstellten Meister des Pariser Opernhauses und seiner Faszination für die junge Sängerin Christine Daaé ist heute weltbekannt und die Tatsache, das Leroux im Buch immer wieder beschwört, dass die Geschichte auf Tatsachen beruhe, gibt dem Roman noch einen ganz besonderen Reiz.
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Elisabeth – die Demystifizierung einer Legende

Als Michael Kunze und Sylvester Levay 1992 das Musical Elisabeth nach Wien brachten, löste die unerwartete Darstellung unter Kritikern wie Zuschauern einen kleinen Sturm aus. Das Stück zeigt das Leben der österreichischen Kaiserin Elisabeth fern von Kitsch und idyllischer Sissi-Mentalität; Elisabeth wird als starke, aber auch depressive Frau dargestellt, deren Leben aus einem ständigen Kampf gegen die Welt besteht.
Dabei liegt das Hauptaugenmerk nicht etwa auf der Beziehung zwischen Elisabeth und Franz Joseph, sondern im Vordergrund steht eine ganz andere Liebesgeschichte: Elisabeths ewige Anziehung zum Tod, der hier in personifizierter Form als ihr junger Geliebter dargestellt wird. Der Tod steht ihr gesamtes Leben lang an Elisabeths Seite und verführt sie in einer ständigen Hass-Liebe, die sie fortdauernd am Rand ihrer selbst balancieren lässt.
In dieser halb mystischen, halb psychologischen Darstellung wird schnell klar, dass Elisabeth für den Tod selbst eine besondere Rolle einnimmt – wie es der Geisterchor sagt, „Alle tanzten mit dem Tod, doch niemand wie Elisabeth“ – und das wegen ihrer eigenen Einstellung zum Leben und zu den Menschen. Der Tod bleibt eine unwirkliche Gestalt, auf den Elisabeths Mischung aus Lebenswillen und Todessehnsucht eine besondere Faszination ausübt, doch er verliert nie seinen Status als unaufhaltsame Naturgewalt.

Wien, 1992

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Les Comédies Musicales: 1789 – Les Amants de la Bastille

Die Französische Revolution ist eines der historischen Ereignisse, von dem die Menschen bis heute nie genug hören können. Wenn sie auch um einiges brutaler und zur gleichen Zeit sinnloser ablief als der nur wenige Jahre vorher stattfindende amerikanische Unabhängigkeitskrieg, so scheint der folgenschwere Aufstand der Franzosen bis heute doch mehr Flair zu besitzen – oder auf jeden Fall mehr Anreiz, ihn wieder und wieder in allen Einzelheiten auszuleuchten.
Natürlich gibt es hier eine riesige Vielzahl von künstlerischen Bearbeitungen und gerade von Musicals. Das in Deutschland wohl Bekannteste ist das ganz nette Stück Marie Antoinette, das sich bemüht, dieses große Drama aus allen Perspektiven so gut es geht zu beleuchten. Aber nach dem schon etwas älteren Werk La Revolution Française gibt es jetzt auch wieder eine neue französische Adaption: 1789 – Les Amants de la Bastille
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Die Eiskönigin – Beginn einer neuen Disney-Ära?

Als ich mich anschickte, Disneys neustes Meisterwerk Die Eiskönigin im Kino zu sehen, war ich vollkommen unvoreingenommen. In der Tat habe ich bei einem Film selten je so wenig gewusst, was mich erwarten würde, wie hier. Sowohl auf inhaltlicher Ebene – mir war klar, dass der Film entfernt von Andersens Schneekönigin inspiriert sein würde, aber auch nicht mehr – als auch gerade was die „Rolle“ angeht, die dieser Film für Disneys heutige Entwicklung einnehmen könnte. Und nach dem Kinobesuch war meine emotionale Reaktion wohl am ehesten mit „Verwunderung“ zu umschreiben. Ich hatte nicht gewusst, was ich erwarten sollte, aber es war auf jeden Fall nicht das gewesen.

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Shock Treatment & The Rocky Horror Picture Show

Auch wenn die Rocky Horror Picture Show 1975 in den Kinos noch einen herben Misserfolg erfuhr, so hat sich die einzigartige Horror-Comedy-Trash-Mischung von einem Musical doch sehr schnell gefangen und wurde bis heute nicht nur ein absoluter Kultklassiker, sondern auch der am längsten regelmäßig im Kino gezeigte Film überhaupt, mit weiterhin wachsender Dauer.
Doch während die Rocky Horror Picture Show ein längst zum Selbstläufer ausgewachsenes Phänomen darstellt, so sind sich selbst unter den echten Fans nur wenige der Tatsache bewusst, dass mit Shock Treatment eine Fortsetzung zu diesem schrägen Machwerk existiert. Und dabei ist nicht die Rede von einer uninspirierten 08/15-Produktion, die nur vom Studio angeleiert wurde – auf so etwas wäre man bei dem anfangs ziemlich erfolglosen Original kaum gekommen. Nein, Shock Treatment wurde von Richard O‘Brian selbst (dem Komponisten und Riffraff-Darsteller des Originals) sechs Jahre nach dem ersten Film ins Leben gerufen. Es ist dasselbe Team wie in der Rocky Horror Picture Show dabei, und auch ein Großteil der Schauspieler findet sich in dieser Produktion wieder, die in Skurrilität und Humor dem Original wenig nachsteht.
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Mozarts Antagonisten

Bei Wolfgang Amadeus Mozart handelt es sich wohl unstrittig um eines der größten musikalischen Genies überhaupt. Der Komponist, der in seinem vergleichsweise kurzen Dasein nicht nur eine Masse an beeindruckenden Werken geschaffen hat, sondern auch in seinem Privatleben genug von sich reden machte, bietet sich für einen dramatischen Stoff geradezu an, ob nun durch seinen Status als Wunderkind, seine Reputation als Lebemann und Freigeist, seinen frühen Tod und die Tatsache, dass seine zwei letzten Werke zwei seiner genialsten sind: Die Zauberflöte und ausgerechnet ein unvollendet verbliebenes Requiem.
All das ist mehr als ausreichend, um die Gestalt von Mozart mit einer Aureole der Faszination zu umgeben, und so gibt es auch keinen Mangel an Theaterstücken, Filmen und verschiedenen literarischen Denkmälern zu seinem Leben.

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Verschiedene Gesichter des Grafen von Monte Christo

Man könnte Alexandre Dumas‘ Klassiker Der Graf von Monte Christo wohl als die ultimative Vergeltungs-Geschichte bezeichnen: Ein junger Seemann wird von seinen Freunden verraten und verbringt 14 Jahre unschuldig im Kerker, ehe er schließlich fliehen kann und als reicher Graf zurückkehrt, um sich an seinen Peinigern grausam zu rächen. Abgesehen von den eigenen Adaptionen hat das Buch auch ganz allgemein einen großen Einfluss auf die heutige Zeit ausgeübt, ob es nun als Inspirationsquelle dient, wie für Sondheims Sweeney Todd, oder ob das Werk wie in V wie Vendetta ganz offen referenziert wird.
Dabei stellt sich mir aber gerade bei Letzterem die Frage, warum es speziell die Verfilmung von 1934 ist, die V Evey im Film zeigt. Gerade diese Adaption der Geschichte endet nicht nur wenig originalgetreu, sondern geradezu schmerzhaft kitschig, so dass Eveys Bemerkung, dass die Rache dem Grafen wichtiger war als seine Liebe, hier kaum zuzutreffen scheint – auch wenn es zugegebenermaßen wenige Verfilmungen gibt, in denen dieser Punkt des Buches wirklich deutlich wird.
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