Getagged: Musicals

Mary Poppins‘ Dachfirsttanz: Step in Time, You Step in Time!

Ich habe nun schon mehrfach über die Disney’sche Verfilmung von Mary Poppins geschrieben, aber aus irgendeinem Grund komme ich doch immer wieder auf dieses filmische Meisterwerk zurück. Einer der spannenden Punkte des Films liegt für mich darin, wie die charakterlich und stimmungsmäßig so unterschiedlichen Teile des Films sich am Ende zu einem kohärenten und zusammengehörigen Ganzen verbinden. Da gibt es die großen Showstopper, „Ein Löffelchen voll Zucker“ und „Supercalifragilisticexpialigetisch“, die dem Publikum als bunte, fetzige Tanznummern fest im Gedächtnis bleiben. Für so manchen Gelegenheits-Zuschauer werden sie auch den allgemeinen Charakter des Films definieren – Mary Poppins, das große Disney-Spektakel über die fröhliche Zauber-Nanny.
mary-poppins-disneyscreencaps.com-9852 Aber diese Stilrichtung alleine hätte den Film sicher nicht in die zeitlose Klassiker-Riege gehoben, in der er sich heute befindet. Und auch bei den bekannten, „großen“ Mary-Poppins-Liedern finden sich „Chim Chim Cheree“ und „Füttert die Vögel“, zwei schwermütige, moll-lastige Melodien, die als Liedfetzen beziehungsweise als Hintergrundmusik den gesamten Film durchziehen. Gerade diese schweren, durchaus melancholischen Teile des Films sind es, die den fröhlichen Tanznummern erst Inhalt und Rückgrat verleihen, und die dem Zuschauer das Gefühl geben, nicht nur ein reines „lustiges Disney-Musical“ vor sich zu haben, sondern einen vollwertiges, ernstzunehmendes Stück Filmkunst.
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Moulin Rouge und Mamma Mia – zwei Arten des Jukebox-Musicals

Seit einigen Jahren schon hat sich in der internationalen Musical-Szene ein neuer Trend breitgemacht: das Erfolgskonzept der aus bekannten Hit-Songs zusammengesetzten Jukebox-Musicals. Es ist ein Konzept, das gleichermaßen intuitiv wie ermüdend erscheint. Natürlich werden die Zusammenschnitte der großen Klassiker einer Band immer ein gewisses Publikum finden; diese zu 80% auf reiner Nostalgie aufgebaute Idee scheint ganz klar ein sicherer Geldmacher zu sein. Aber während gegen ein entsprechendes Best-Of-Konzert sicher nichts zu sagen wäre, ist das Ergebnis der entsprechenden Best-Of-Musicals im besten Fall bemüht.
vlcsnap-2015-08-06-08h14m12s0 Realistisch gesehen ist es nun einmal kaum möglich, aus ein paar beliebigen, willkürlich vordefinierten Band-Hits ein kohärentes, storytechnisch qualitatives Musical zusammenzuschustern. Per Definition haben die Texte der Lieder selten irgendetwas miteinander zu tun und stellen ausschließlich einzelne Solo-Nummern dar, so dass damit in einem größeren Werk sowieso nur die Arien abgedeckt werden können – für Rezitative ist schlicht kein Material vorhanden. Und da diese einzelnen Arien auf irgendeine Weise aufeinander abgestimmt werden müssen, bleiben meist auch alle Lieder auf der Strecke, die irgendeine Art von spezifischerem Inhalt haben. So bleibt gerade für die besten und beliebtesten Songs vieler Bands nur ein Platz als Zugabe übrig – an storytragender Stelle lassen sich Lieder wie „Bohemian Rhapsody“ oder „Fernando“ eben nicht ohne weiteres hineinquetschen. Es ist eine simple Rechnung: Je einfacher und nichtssagender der Inhalt eines Klassikers, desto einfacher lässt sich ein Platz im neuen Handlungsverlauf des Jukebox-Musicals finden.
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Die Eiskönigin und Elisabeth – zwischen Loslassen und Aufgeben

Es sind nun anderthalb Jahre vergangen, seit Die Eiskönigin für einen Überraschungserfolg in den Kinosälen sorgte, und bislang ist kein Nachlassen in der Beliebtheit des Films zu spüren. Im Gegenteil: Diese Woche erst hat in Disneyland Paris die Bühnenshow zum Film gestartet, und ein offizielles Musical und eine Fortsetzung des Filmes sind gerade erst in Planung.
Dabei ist denke ich nach wie vor klar, der riesige, unerwartete Erfolg des Films hängt alleine an einer Szene: Lass jetzt los, das ursprünglich als starker Bösewicht-Moment geplante Lied, das zu einer noch viel stärkerer Freiheits-Ballade umgedeutet wurde.

So großartig Elsas große Nummer mit Sicherheit ist, so kann ich das Lied doch nicht hören, ohne daran zu denken, wie gerne der Text im allgemeinen Bewusstsein uminterpretiert wird. In einem anderen Artikel habe ich mich bereits darüber ausgelassen, dass Lass jetzt los bei genauerer Betrachtung immer noch ein klassisches Bösewicht-Lied darstellt. Aber auch wenn man die Szene im bestmöglichen Sinne liest, als Moment der lange ersehnten Befreiung, so zeigen sich Inhalt und Aussage des Liedes gerade im Zusammenhang des Films doch mehr als fragwürdig. Insbesondere, wenn man anfängt, Elsa mit einer anderen starken, freiheitssuchenden Eisprinzessin zu vergleichen: Elisabeth.
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Mary Poppins – Buch, Film und Musical

Es war eigentlich nur eine Frage der Zeit, dass auch der Disney-Klassiker Mary Poppins seinen Weg auf die Musical-Bühne finden würde. Seit Der König der Löwen 1997 als Bühnenshow unerwartete Erfolge zeichnete sind die Musical-Adaptionen der großen Disneyfilme zu einem nicht unerheblichen Standbein der Studios geworden – auch wenn seither keine Produktion an die Kreativität und die künstlerischen Ambitionen der aufwendig konstruierten Löwen-Puppen heranreichen konnte.
Gerade im Vergleich zu Zauberei- und Effekt-lastigen Filmen wie Die Schöne und das Biest oder Arielle, die Meerjungfrau muss Mary Poppins als ideale Vorlage für eine Bühnen-Adaption erscheinen. Seit nunmehr fünfzig Jahren einer der ganz großen Disney-Klassiker gilt der Film nicht nur als musikalischer Geniestreich, es handelt sich auch um einen Spielfilm, der in seiner bunten, aufwändigen Darbietung geradezu danach verlangt, für eine Live-Performance umgewandelt zu werden. Es wäre wirklich ein Leichtes gewesen, den Film so wie er ist zu nehmen, und in Stil und Handlung eins zu eins für die Bühne zu adaptieren – doch so einfach haben die Disney-Studios es sich nicht gemacht.

Mary Poppins

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Cabaret und Chicago – zwei Stücke von Dekadenz und Laster

Bei Cabaret und Chicago handelt es sich um zwei Musicals, die in Handlungsaufbau und Stimmung ungemein spannend zu vergleichen sind. Die Ähnlichkeiten der beiden Bühnenstücke sind auf den ersten Blick offensichtlich: Es handelt sich um dieselben Autoren, die Stücke zeigen einen ähnlichen Stil und scheinen sich auch inhaltlich stark zu gleichen.
Beide Musicals spielen in der goldenen Zeit zwischen den beiden Weltkriegen, in der bunten Flitterwelt der 20er beziehungsweise Anfang der 30 Jahre. Es ist eine zündende Zeit, in der die Vorahnung des kommenden Krieges für eine einmalige Stimmung der Lebenslust und Dekadenz sorgt, einer Dekadenz, der auch die verschiedenen Figuren beider Werke zur Gänze verfallen scheinen. Gerade die Hauptfiguren, Sally Bowles und Roxie Hart, sind beide Varieté-Sängerinnen mit großen Ambitionen, und damit auf ihre Weise geradezu der Inbegriff für ein Leben von Laster und zweifelhafter Moral.

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Hätte Into the Woods sein Potenzial besser nutzen können?

Die Nachricht, dass ausgerechnet Disney sich daran macht, Into the Woods zu verfilmen, hat von Anfang an für verwirrte Blicke gesorgt. Immerhin bietet Sondheims Märchenmusical nicht die charmante Art von Märchensubversionen, die Disney selbst in letzter Zeit so gerne benutzt. Nein, Into the Woods nimmt die Grimm’schen Geschichten, so originalgetreu wie Disney es sich sonst niemals trauen könnte, und geht damit noch einige Schritte weiter. Pädophilie, Verstümmelungen und Ehebruch sind nur einige der Themen, die dabei ganz direkt behandelt werden.
Doch wie sich im fertigen Film herausstellte, ist Disney auf ungewohnte Weise über seinen Schatten gesprungen. Ja, man hat sich geweigert, mit Rapunzel die jüngste Disney-Prinzessin in einer selbstmörderischen Rage der Riesin zu opfern, doch das wohl eher aus firmenpolitischen Gründen. Der Rest des doch eher dunklen Stückes ist durchaus originalgetreu umgesetzt, und alleine durch das sehr viel direktere Medium Film wirken die eine oder andere Szene noch um einiges brutaler als auf der Bühne.

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Verborgene Schätze: Dr. Horrible’s Sing-Along Blog

Die Karriere von Joss Whedon als Musical-Komponist hat eine bemerkenswerte Historie. Als seine Erfolgsserie Buffy – im Bann der Dämonen bereits in der sechsten Staffel war, beschloss der Mann ohne nennenswerten musikalischen Hintergrund, nun eine Musical-Episode einzuflechten, und das mit Liedern aus seiner eigenen Feder. Wie er selbst im Audiokommentar beschreibt, erfuhr er von dem Prinzip des Kontrapunkts etwa erst, als man ihn darauf hinwies, dass er selbigen im Duett zwischen Giles und Tara gerade verwendet habe.
Once more, with Feeling war nicht nur sofort ein Riesenhit; die Folge ebnete auch den Weg für die Tradition von Musical-Folgen, die sich seitdem in praktisch allen länger laufenden Serien ungeachtet des Genres finden, bis hin zur Erfolgsserie Glee, die dieses Prinzip schließlich zum Thema der Serie macht.

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Der Besuch der Alten Dame: unterschiedliche Blickwinkel von Theaterstück und Musical

Über die Musical-Fassung von Dürrenmatts Der Besuch der Alten Dame habe ich seinerzeit schon einen Artikel geschrieben. Ich war von der Adaption nicht allzu begeistert, dafür weist sie durchgehend zu viele Schwächen auf, aber ich muss zugeben, dass ich mich dennoch nicht von dem Musical lösen kann.
Zum einen liegt das vielleicht daran, dass ich es als eine schmerzhaft verpasste Gelegenheit ansehe. Das Musical hätte wirklich genial werden können; selbst in seiner jetzigen Form hat es stilistische Ähnlichkeiten mit Drama-Größen wie Elisabeth oder Rebecca. Doch das vielversprechende Grundmaterial und die durchaus interessante Musik werden schließlich verwässert durch Texte und Inhaltsänderungen, die einer Seifenoper entsprungen scheinen und durch eigentlich gute Schauspieler, die hier entschlossen scheinen, die schmalzigste Performance ihrer Karriere abzugeben. Wie gesagt, es ist ein Jammer.
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Klassische Werke in neuer Gestalt

Vor einigen Jahren gab es in der Fernsehbranche einen minderen Eklat, als der selbsternannte Literaturgott Marcel Reich-Ranicki während der Verleihung des Deutschen Fernsehpreises den ihm zugesprochenen Ehrenpreis live ablehnte, mit der Begründung, er „gehöre nicht in diese Reihe“ und fände es „schlimm, dass ich das hier viele Stunden ertragen musste. Diesen Blödsinn, den wir hier zu sehen bekommen haben.“.
Als Reaktion auf Reich-Ranickis ostentative Ablehnung bat ihn daraufhin der Moderator Thomas Gottschalk, mit ihm zusammen eine Diskussionsrunde zum Thema Fernsehen zu führen. Und wirklich wurde eine Woche später das Gespräch der beiden modernen Fernseh- und Literaturikonen ausgestrahlt, unter dem Titel „Aus gegebenem Anlass – Marcel Reich-Ranicki im Gespräch mit Thomas Gottschalk.“.
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Welche Symbolkraft steckt im Tanz der Vampire?


Die Gestalt des Vampirs hatte zu jeder Zeit eine starke Symbolkraft inne – gerade darin liegt ja der Hauptgrund für die anhaltende Faszination jener Gruselgeschöpfe. Es ist ein Spiel mit der Erotik, mit Widerstreben und insgeheim ersehnter Überwältigung, das uns immer wieder mit den wohl charmantesten aller Monster liebäugeln lässt. Dabei ist diese Symbolik bei weitem nicht zu jeder Zeit die gleiche geblieben, im Gegenteil: Im Laufe der Jahrhunderte hat sich das Bild des Vampirs immer wieder gewandelt und von Generation zu Generation neu definiert – eben gerade weil es immer die verborgenen Sehnsüchte und Wünsche der aktuellen Zeit symbolisch dargestellt hat.
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