Getagged: Klassische Musik

Mozarts Antagonisten

Bei Wolfgang Amadeus Mozart handelt es sich wohl unstrittig um eines der größten musikalischen Genies überhaupt. Der Komponist, der in seinem vergleichsweise kurzen Dasein nicht nur eine Masse an beeindruckenden Werken geschaffen hat, sondern auch in seinem Privatleben genug von sich reden machte, bietet sich für einen dramatischen Stoff geradezu an, ob nun durch seinen Status als Wunderkind, seine Reputation als Lebemann und Freigeist, seinen frühen Tod und die Tatsache, dass seine zwei letzten Werke zwei seiner genialsten sind: Die Zauberflöte und ausgerechnet ein unvollendet verbliebenes Requiem.
All das ist mehr als ausreichend, um die Gestalt von Mozart mit einer Aureole der Faszination zu umgeben, und so gibt es auch keinen Mangel an Theaterstücken, Filmen und verschiedenen literarischen Denkmälern zu seinem Leben.

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Klassik in Szene gesetzt: Don Giovanni


Joseph Loseys Film Don Giovanni von 1979 ist eine der bekannteren Opernverfilmungen, und eine, die allgemein als vorbildliche Umsetzung gilt. Wenn man nach einem Grund sucht, etwas an der Verfilmung auszusetzen, so gibt es wirklich höchstens den Vorwurf, dass die Inszenierung durchweg auf der sicheren Seite bleibt: Man hat Mozarts Meisterwerk genommen und in einem altherrschaftlichen, prunkvollen Rahmen klassisch umgesetzt, ohne irgendwelche größeren Experimente oder Risiken einzugehen. Es liegt nun am Geschmack des Zuschauers, ob solch eine Entscheidung als angenehm oder bedauerlich eingestuft wird.
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Klassik in Szene gesetzt: Der Fliegende Holländer

Auch wenn die Sage vom Fliegenden Holländer heutzutage wohl Richard Wagner als wichtigsten Verbreiter vorzuweisen hat, so handelt es sich doch um einen uralten Seemannsmythos. Schon im siebzehnten Jahrhundert wurden mündliche Geschichten des verwunschenen Geisterschiffes verbreitet, und Wagner selbst kam durch eine kurze Beschreibung von Heinrich Heine auf seinen Opernstoff:
„Die Fabel von dem Fliegenden Holländer ist euch gewiss bekannt. Es ist die Geschichte von dem verwünschten Schiffe, das nie in den Hafen gelangen kann, und jetzt schon seit undenklicher Zeit auf dem Meere herumfährt. Begegnet es einem anderen Fahrzeuge, so kommen einige von der unheimlichen Mannschaft in einem Boote herangefahren und bitten, ein Paket Briefe gefälligst mitzunehmen. Diese Briefe muss man an den Mastbaum festnageln, sonst widerfährt dem Schiffe ein Unglück, besonders wenn keine Bibel an Bord oder kein Hufeisen am Fockmaste befindlich ist. Die Briefe sind immer an Menschen adressiert, die man gar nicht kennt, oder die längst verstorben, so dass zuweilen der späte Enkel einen Liebesbrief in Empfang nimmt, der an seine Urgroßmutter gerichtet ist, die schon seit hundert Jahren im Grabe liegt. Jenes hölzerne Gespenst, jenes grauenhafte Schiff führt seinen Namen von seinem Kapitän, einem Holländer, der einst bei allen Teufel geschworen, dass er irgendein Vorgebirge, dessen Namen mir entfallen, trotz des heftigen Sturms, der eben wehte, umschiffen wollte, und sollte er auch bis zum Jüngsten Tag segeln müssen. Der Teufel hat ihn beim Wort gefasst, er muss bis zum Jüngsten Tage auf dem Meere herumirren, es sei denn, dass er durch die Treue eines Weibes erlöst werde.“
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Warum Operngesang unverständlich ist – eine Überlegung


Wenn man sich die Unterschiede anschauen will, die in der heutigen Auffassung zwischen Opern- und Musicalaufführungen gemacht werden, betritt man schnell ein weites Feld – ich könnte von bemühter Kulturrettung reden, von Subventionierungen und prätentiösen Inszenierungen, bei denen mehr Wert auf das Ego des Regisseurs gelegt wird als auf das Interesse der Zuschauer. Aber ich denke, dass einer der bedeutenderen Punkte, die nicht allzu offensichtlich scheinen, in der Frage besteht, welche Stellung der Gesang selbst in der Inszenierung innehat.
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Klassik in Szene gesetzt: Der Freischütz (2010)

Seit seiner Uraufführung 1821 genießt Der Freischütz, die wohl berühmteste Oper Carl Maria von Webers, ein außergewöhnliches Ansehen sowohl im höheren Kulturbereich als auch im allgemeinen Bewusstsein der Bevölkerung. Die Geschichte des Jägerburschen Max, der dazu verleitet wird, einen Bund mit dem Bösen, dem Wilden Jäger zu schließen, um nicht Gefahr zu laufen, seine geliebte Agathe zu verlieren, ist ein romantischer Sagenstoff, der Webers Oper weithin den Titel „erste deutsche Nationaloper“ einbrachte. In seiner schwelgerischen, legendenhaften Art scheint Der Freischütz ideales Material für eine großangelegte Verfilmung zu sein, und man kann sich beinahe wundern, dass eine der bekanntesten deutschsprachigen Opern so lange auf eine Kinoadaption warten musste.

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Warum ich den Ring des Nibelungen nicht leiden kann

Dass die Nibelungensage in ihren verschiedenen Ausprägungen ein Stück absoluten deutschen Kulturgutes darstellt, ist nicht erst seit der Stellungnahme von Dr. King Schultz in Django Unchained klar. Schultz bezeichnet die Heldenlegende um den Drachentöter Siegfried als die bekannteste deutsche Sage, und wenn er den Helden seiner eigenen Geschichte, Django, mit Siegfried vergleicht, soll dies zweifellos ein enormes Kompliment für seinen neuerworbenen Freund darstellen.
Ich bin froh, zu bemerken, dass Django 1858 spielt, also ganze 16 Jahre bevor das Opernepos des „urdeutschen“ Komponisten Richard Wagner seine Premiere feierte. Würde Schultz den Ring des Nibelungen kennen, so hätte er wohl entweder eine andere Meinung von Siegfried, oder meine eigene Meinung von Waltz‘ bislang wohl sympathischster Leinwandgestalt müsste durch diese Einschätzung erheblich leiden. Denn um die Wahrheit zu sagen: Bei Wagner zeigt sich der große Held Siegfried als ein einziger Widerling.
Siegfried ist arrogant, unverschämt, er schreckt weder vor Körperverletzung, Mord, noch (augenscheinlich) vor Vergewaltigung zurück. Und das ist nicht mein einziges Problem mit Wagners Opernzyklus – aber von Anfang an:
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Black Swans Finale oder Die Premiere von Schwanensee


Eines der künstlerisch ambitioniertesten Filmprojekte der letzten Jahre ist mit Sicherheit Darren Aronofskys Verarbeitung des Schwanensee-Stoffes in Gestalt von Black Swan, ein Werk, über dessen Genialität kaum noch ein Wort verloren werden muss.
Neben dem eigenen Inhalt des Films, der selbst genug Raum zu Interpretationen bietet, lässt sich zusätzlich eine Menge in das Grenzspiel zwischen Realität und Wahnsinn hineinlesen. So könnte der gesamte Film als eigene Schwanensee-Adaption gesehen werden, in der Nina als Odette auftritt, Lily als Odile und die Hauptrolle in dem Ballett als der von beiden begehrte Prinz. Zu dieser Überlegung fügt sich auch die Tatsache, dass der Film mit dem Prolog des Balletts beginnt und mit dem Finale endet; beides mit Nina in der Rolle eines perfekten Weißen Schwans.
Auch wenn seit Erscheinen des Films vielleicht schon alles Interessante zu dem Werk gesagt scheint, will ich doch die Gelegenheit nutzen, noch einmal meine eigenen Gedanken zu dem gemeinsamen Finale von Film und Ballett aufs Papier zu bringen – in der Hoffnung, dass sie vielleicht sogar helfen, dieses Kleinod noch ein wenig mehr zu schätzen.
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