Disney ist zweifelsohne ein wahrhaft riesiger Konzern – mit einem riesigen Ego. Sie sind bekannt dafür, in jeder Hinsicht gut auf ihr Eigentum zu achten und es wenn nötig mit Zähnen und Klauen zu verteidigen, und sie haben sicherlich mehr recht als mancher andere auf eine solche Einstellung. Schließlich verfügt Disney über den vielleicht größten ideellen Inhalt irgendeines heutigen Unternehmens.

Natürlich lässt sich kaum vermeiden, dass dennoch immer wieder das Disney-Erbe als Vorlage für zweitklassige Nachmachen dienen muss, ob jetzt im Meisterwerke-Bereich, im Spielfilm-Sektor, oder beim Thema Freizeitpark-Attraktionen. Gerade was Letzteres betrifft ist der deutsche Europapark berüchtigt dafür, sich großzügig von den Disney-Parks „inspirieren“ zu lassen (man beachte speziell die Geistervilla oder die Piraten in Batavia).
Gerade in solchen Fragen steht die Überlegenheit der Disney‘schen Originale wohl außer Frage – und umso sonderbarer erscheint es, dass Disney selbst nicht davor zurückschreckt, für die Parks auf Konzern-fremdes Material zurückzugreifen. Vor einigen Jahren, als noch Tinker Bell die Spitze des Pariser Disneyland-Schlosses zierte, gab es diese wundervolle Candelabration-Einleitung zum Feuerwerk zu bestaunen:

Doch so sehr diese Musik auch zu Tinker Bell selbst passen mag, mit Disney hat sie herzlich wenig zu tun. Es ist das Hauptthema von Peter Pan, der Disney-fremden Verfilmung von 2003 – wahrlich eine wunderbare Feuerwerks-Untermalung, aber eine für Disneyland doch höchst sonderbare Wahl.
Und das ist beileibe nicht das erste Mal, das Disney fremdstämmige Musik bevorzugt, um ihr Peter-Pan-Franchise aufzubessern. Schon für die Zeichentrick-Fortsetzung Neue Abenteuer in Nimmerland bediente man sich großzügigst der Filmmusik des „Konkurrenzsequels“ Hook – sowohl um Filmausschnitte im Computerspiel neu zu untermalen, als auch für die Menüs der offiziellen DVD. Ich kann ja verstehen, dass das zwar hübsche, aber musikalisch eher zweitklassige Disney-Sequel dem genialen Williams-Soundtrack hinterhertrauert, aber Disney verfügt schließlich über genügend eigene ikonische Peter-Pan-Musik, um sich zumindest selbst zu plagiieren.

Zugegebenermaßen, auch das kommt vor, wie in dieser Cinderella-Werbung von 2005, die sich ausgerechnet der Filmmusik von Pocahontas bedient, um damit ein märchenhaftes Flair zu erzeugen. Aber was die generelle DVD-Werbung angeht, so sieht es dort wiederum ganz anders aus; seit Jahr und Tag bewirbt Disney seine Filme konsequent mit der Filmmusik des Warner-Filmes Robin Hood – König der Diebe.

Diese Werbung läuft nun schon so lange im Vorspann jeder Disney-DVD, dass sie mittlerweile großflächig mit Disney identifiziert wird.
Ich gebe zu, es ist eine sehr schöne Fanfare, die für diesen Zweck gut geeignet ist – aber dennoch, warum? Disney selbst verfügt doch beileibe über genügend eigene Musik, um ihre Produkte damit zu schmücken. Gerade der Inhaber dieses großen, extrem behüteten und gepflegten Filmkosmos sollte es nicht nötig haben, fremde Melodien für Werbezwecke aufzukaufen. Dafür ist Disneys eigenes Erbe nun wahrlich umfassend genug.