Hätte Into the Woods sein Potenzial besser nutzen können?

Die Nachricht, dass ausgerechnet Disney sich daran macht, Into the Woods zu verfilmen, hat von Anfang an für verwirrte Blicke gesorgt. Immerhin bietet Sondheims Märchenmusical nicht die charmante Art von Märchensubversionen, die Disney selbst in letzter Zeit so gerne benutzt. Nein, Into the Woods nimmt die Grimm’schen Geschichten, so originalgetreu wie Disney es sich sonst niemals trauen könnte, und geht damit noch einige Schritte weiter. Pädophilie, Verstümmelungen und Ehebruch sind nur einige der Themen, die dabei ganz direkt behandelt werden.
Doch wie sich im fertigen Film herausstellte, ist Disney auf ungewohnte Weise über seinen Schatten gesprungen. Ja, man hat sich geweigert, mit Rapunzel die jüngste Disney-Prinzessin in einer selbstmörderischen Rage der Riesin zu opfern, doch das wohl eher aus firmenpolitischen Gründen. Der Rest des doch eher dunklen Stückes ist durchaus originalgetreu umgesetzt, und alleine durch das sehr viel direktere Medium Film wirken die eine oder andere Szene noch um einiges brutaler als auf der Bühne.

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Aus dem Maschinenraum: Es ist vollbracht

Aus dem Maschinenraum: Es ist vollbracht!

Entschuldigt das Pathos, aber das war nötig. Das Blog steht auf neuen Beinen. Drei Wochen intensiver Arbeit, durchwachter Nächte, vier Packungen Coke Zero. Palettenweise Farben durchprobiert, Bilder eingebaut, umgebaut, wieder eingebaut.

Wir haben jeden einzelnen Artikel importiert, umgedreht angeschaut und wieder eingebaut. Jetzt hoffe ich, dass das Ergebnis euch gefällt! Viel Spaß beim Lesen der neuen Artikel, des roten Abendlichts, oder vieleicht, alles noch mal von vorn?

Für die Techniker, das Blog läuft jetzt auf WordPress. Ist gehostet in Deutschland, das Theme ist ein stark modifiziertes Anew. In den nächsten Wochen wird es sicher noch eine Menge weiterer Änderungen geben, dabei habe ich vor allem die Darstellung des Blogs im Feedreader im Auge.

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Zeichentrick, Western, Liebesfilm – das Problem der Genreeinteilung

Wir alle leben in Einteilungen und Klassifizierungen; das ist für uns Menschen die natürliche Art, unsere Welt zu begreifen. Wir modellieren unsere Umwelt für unseren Geist nach – und wie alle Modelle ist das Ergebnis generell hilfreich, aber falsch. Denn natürlich ist die menschliche Einteilung in den meisten Fällen zu simpel gehalten. Das führt zu vereinfachten Kategorien, zu Vorurteilen und schlimmstenfalls Diskriminierung. Und was in der Gesellschaft ein Problem darstellt, ist im Bereich der Kunst um keinen Deut besser.

Ganz allgemein lassen sich die vielen verschiedenen Arten von Geschichten, die wir in Filmen und Büchern erleben, in verschiedene Genres unterteilen. Es sind einfache Labels, die helfen sollen, einen ersten Eindruck zu vermitteln, die es einfacher machen, über verschiedene Filme zu reden, und die schlicht ein gewisses Ordnungssystem im Dschungel der Kunst darstellen. Wenn ich höre, dass ein bestimmter Film eine „Komödie“ ist, so weiß ich direkt, auf welche Stimmung ich mich einzustellen habe, und ich kann einschätzen, ob ich gerade Lust auf diese Art Film habe.
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Fifty Shades of Grey – ein zweifelhafter Erfolg zwischen den Stühlen

Dass Fifty Shades of Grey nicht zur Krone der großen Literatur gehört, muss nicht extra erwähnt werden. Bei den Büchern handelt es sich um schlechte BDSM-Fanfic zu einer sowieso schon schlechten Vampirbuchreihe. Und im Gegensatz zu den Twilight-Büchern gibt es bei Fifty Shades of Grey auch kaum Verfechter der Serie. Trotz des unwahrscheinlichen Erfolgs der Bücher scheint es niemanden zu geben, der sie wirklich für qualitativ gut hält.

Natürlich wird ein derart unerwarteter Erfolg irgendwann zum reinen Selbstläufer. Auch ich habe die Bücher gelesen, zum einen aus Neugier, und zum anderen weil ich gerne bescheid weiß, ehe ich mich über ein Machwerk öffentlich auslasse. Ich fand den ersten Band erträglich und stellenweise ganz amüsant, den zweiten und dritten dagegen nur noch schmerzhaft langweilig.
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Die Farben der Disney-Prinzessinnen

Im Gefüge der Disney-Studios haben die Prinzessinnen einen ganz besonderen Status inne. Bei Disney Princess handelt es sich momentan um das gewinnbringendste Franchise überhaupt – noch vor anderen Disney-Giganten wie Star Wars oder Winnie Puuh.

Und in ihrer Rolle als „Disney-Prinzessin“ haben Arielle, Schneewittchen und Co. einige Veränderungen gegenüber ihren ursprünglichen Film-Charakteren hinnehmen müssen. Die ganze Reihe ist hoffnungslos verkitscht; die Prinzessinnen wurden für ihr neues Kleine-Mädchen-Publikum vollkommen pervertiert, mit rosa Glitzer bedeckt und zu reinen Modenschau- und Teeklatsch-Anhängerinnen degradiert. Alleine eine furiose Internet-Kampagne hat Disney davon abzuhalten, selbst Merida dieser Hirnwäsche zu unterziehen und zur „perfekten Prinzessin“ umzustilisieren.
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Wie Disney mit Baymax einen neuen Weg gefestigt hat

Baymax

Disneys neuestes Meisterwerk Baymax hat von Anfang an gewisse Vergleiche mit anderen Filmen angestoßen. Zum einen war da der unglaubliche Erfolg von Disneys letztem Streich, der Eiskönigin; ein Erfolg der weder auf seiner finanziell noch kulturellen Ebene so bald wiederholt werden kann. Doch zum Glück hat sich Baymax dieser unmöglich zu erreichenden Anforderung alleine durch sein Thema schon enthoben. Ein weiteres Märchenmusical, das der Eiskönigin direkt gefolgt wäre, hätte solch eine Kritik sicherlich in vollem Umfang auf sich gezogen, ähnlich wie der oft verglichene „Flop“ Pocahontas, der in Sachen Epik und Leidenschaftlichkeit die gleichen Wege wie der Überraschungserfolg Der König der Löwen einzuschlagen versuchte. Doch Baymax ist ein actionlastiger, wenn auch höchst emotionaler Superheldenfilm; ein allzu direktes Nebeneinanderstellen mit den vorangegangenen Märchenfilmen schließt sich daher von selbst aus. (mehr …)

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Frank’N’Furter, Lisle von Rhoman und der Finger Gottes

Wenn man sich eine bildliche Darstellung Gottes vor Augen rufen will, so wird man wohl unweigerlich auf Die Erschaffung des Adam von Michelangelo stoßen, den zentralen Teil des Deckenfreskos der Sixtinische Kapelle. Das Bild ist so ikonisch wie kaum ein religiöses Gemälde sonst, und als die Darstellung der Erschaffung des Menschen an sich hat es sich längst im allgemeinen Bewusstsein verewigt.

Von daher ist dieses Gemälde ideal für jede Art von übertragener Nutzung oder auch symbolischer Verwendung, gerade auch in abgewandelter Form. Ob es nun um eine „offizielle“ Darstellung des Spaghettimonsters oder um ganz simple Parodien oder Hommagen an den christlichen Glauben geht, Michelangelos Bild ist stets ein Garant für einen allumfassenden Wiedererkennungswert des Originals.
Unter den endlosen Wiederverwendungen und Verfremdungen des Gemäldes habe ich persönlich zwei ganz klare Favoriten, nämlich die Nutzung der Erschaffung des Adam in der Rocky Horror Picture Show und in dem (sicherlich von ersterem inspirierten) Der Tod steht ihr gut – zwei filmische Werke, die Michelangelos Meisterwerk auf nahezu identische Weise einsetzen.
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Charlie Hebdo und die Verarbeitung in der Kunst – eine Überlegung

Die grauenvollen Ereignisse der letzten Woche haben mich ebenso sehr wie jeden anderen zutiefst erschüttert und, mehr noch, zum Nachdenken gebracht. Es ist nicht nur der Fanatismus und die reine zerstörerische Kraft hinter dem blutigen Anschlag, die mich bewegt, es ist vielmehr das Drama, dass eine kleine Gruppe Wahnsinniger es sich anmaßen kann, eine gesamte Glaubensrichtung zu vertreten, und dass es diesen Fundamentalisten gelingt, all ihre Glaubensbrüder durch ihrer Tat zu beschmutzen. Am Ende hat der Anschlag fanatischen Islamisten und Islamhassern ja gleichermaßen geholfen, und es wird eine grauenvolle Bilanz sein, wenn sich die fehlgeleiteten Demonstranten am Montag vervielfacht haben.

Doch ich bin nicht gut darin, über das Zeitgeschehen zu reden; die aktuelle Politik ist schlichtweg nicht mein Metier. Mich selbst hat der folgenschwere Anschlag viel mehr zum Nachdenken auf einer ganz anderen Ebene gebracht: Die Ereignisse haben in mir den Wunsch geweckt, meine Gefühle und meinen inneren Aufruhr auf schriftstellerische Weise zu verarbeiten.
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Umbridge und die Häuser von Hogwarts

Die Harry-Potter-Bücher von Joanne K. Rowling bewegen sich längst in einer vollkommen eigenen Liga, in ihrem Erfolg kaum vergleichbar mit irgendeiner anderen Art Literatur. Dieses Phänomen zu hinterfragen oder gar erklären zu wollen haben bislang genug Menschen versucht – generell mit eher mäßigem Ergebnis.
Ich selbst würde gar nicht versuchen, zu ergründen, was genau nun gerade Harry Potter so einmalig macht. Mit Sicherheit verfügt Rowling über einen fantastischen Schreibstil, mit dem sie ihre Leser mitzureißen vermag, und der diese ganze, quirlige Fantasywelt erst wirklich zum Leben erweckt.
So weit, dass man darüber gerne vergisst, die Welt in und um Hogwarts wirklich mit strengen Augen zu durchleuchten.
Denn seien wir ehrlich: Eigentlich weist das Harry-Potter-Universum einige nicht unerhebliche logische Probleme auf, die bei genauerer Durchleuchtung nur zu offensichtlich werden. Das fängt mit dem regelmäßigen Deus ex Machina pro Band an, oder mit simplen faktischen Fehlern wie der Klassengröße Hogwarts verglichen mit der dazugehörigen Schüler- und Lehrerzahl. Dann sind da die praktisch allmächtigen Zauber wie der Zeitumkehrer, der Glückstrank Felix Felicis und der Unbrechbare Schwur, die praktischerweise außerhalb ihrer eigentlichen Storyfunktion nie mehr erwähnt werden. Als ob Voldemort mit einem derart praktischen Schwur nicht längst sämtliche Todesser auf absolute Loyalität verschworen hätte.
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Strange things did happen: The Hanging Tree und Das Lied vom Henkersbaum

Ob in Buchform oder auf der Leinwand, Katniss Everdeen hat in kürzester Zeit eine gesamte Generation für sich gewonnen. Die Tribute von Panem sind ein wunderbares Beispiel für Jugendliteratur, die sich zurecht auch unter Erwachsenen durchsetzen konnte, und seit Jennifer Lawrence in Hunger Games der jungen Kämpferin Gesicht und Stimme geliehen hat, ist Katniss und ihr Spottvogel-Ruf längst im allgemeinen Kultur-Gedächtnis verankert. So sehr, dass sich bei den jüngsten Aufständen in Thailand der Panem-Salut als allgemeines Freiheits-Symbol durchgesetzt hat.

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