In einer Zeit, da auf der einen Seite 3D-Filme einen immer festeren Bestandteil unseres täglichen Kinoprogramms ausmachen und auf der anderen Seite ältere Filme einen wirklich triftigen Grund brauchen, um eine Neuaufführung in den Lichtspielhäusern zu rechtfertigen, sind es nur die Kosten einer professionellen 3D-Konvertierung, die die Filmstudios davon abhalten, ihre gesammelten Klassiker erneut ins große Rennen zu schicken. Natürlich gibt es Filme, bei denen eine Konvertierung einfacher wäre, als bei anderen; je größer der computergenerierte Anteil eines Blockbusters, desto mehr Informationen zur Tiefe des Bildes können sich bereits im Ausgangsmaterial befinden, und bei allen neueren, am Computer zusammengefügten Zeichentrickfilmen sind die verschiedenen Ebenen von vornherein einzeln verfügbar. Und dann gibt es da noch die rein computergenerierten Animationsfilme …
Da CGI-Filme vom Prinzip her schon dreidimensional erstellt werden, handelt es sich hier im eigentlichen Sinne gar nicht mehr um eine Konvertierung. Am Film selbst wird nichts getan; es geht nur darum, die Kamera selbst entsprechend zu adjustieren, beziehungsweise eine zweite Kamera zusätzlich laufen zu lassen. Da so der Aufwand eines nachträglichen 3D-Bildes vergleichsweise minimal ist, ist natürlich gerade Animations-Riese Pixar momentan fleißig dabei, seine Karten erneut auszuspielen: Die Konvertierungen von Findet Nemo und Monter AG sind längst in Arbeit, angeblich wurden auch Ratatouille und WALL*E schon Studio-intern vorgeführt, und solange sich Kinokarten und Blurays gut verkaufen, sollte nur die Zahl der noch nicht wiederverwerteten Filme diesem Vorhaben eine Grenze setzen.
Es ist nun schon einige Zeit her, dass Toy Story 3 in den Kinos lief und damit auch Teil 1 und 2 einen guten Vorwand gab, zumindest für eine begrenzte Zeitspanne neu präsentiert zu werden, doch ich hatte jetzt erst Gelegenheit, die drei Filme in all ihrer dreidimensionalen Glorie zu bewundern – und da es heißt, besser spät als nie, will ich nun hiermit meine Meinung zu den Filmen, ihrer Konvertierung und der Trilogie an sich anbringen.

Man könnte sich fragen, warum gerade die Toy-Story-Filme als Erstes eine große Wiederaufführung spendiert bekommen, schließlich sind sie – abgesehen von ihrer geschichtlichen Position – nicht gerade prädestiniert für diese Behandlung. Gerade der erste Teil bietet alles andere als einen spektakulären Rahmen, und dazu kommt, dass das Alter der Filme eine nicht unerhebliche Schwierigkeit für die Bearbeitung darstellte; immerhin war es dazu nötig, die 15 Jahre alte Software erneut auf modernen Rechnern zum Laufen zu bringen.
Der Grund lag natürlich hauptsächlich im gleichzeitigen Erscheinen des dritten Teils, so dass sich die drei Filme gegenseitig bei den Einnahmen helfen und das Bewusstsein des Franchises erhöhen konnten – und vielleicht auch, um die Trilogie schließlich in einem gemeinsamen Format zu halten. Was letzteren Punkt betrifft, so findet er meine volle Zustimmung, gerade wenn man sich in Erinnerung ruft, dass die 3D-Version in diesem Fall keine Modernisierung, sondern höchstens eine zeitgemäße Darstellung des seit jeher vorhandenen Filmmaterials ist.
Ein erster Wermutstropfen bei der Sichtung der Filme im Heimkino ist die Feststellung, dass auf den Blurays nichts außer den nackten Filmen zu finden ist – also auch nicht die dazugehörigen Kurzfilme. Ein Jammer, hat sich der passende Kurzfilm vor dem Werk bei Pixar im Kino wie auf der DVD doch längst zu einer angenehmen Tradition entwickelt.
Der Film selbst beginnt wie alle drei Teile mit einem Spiel in Andys Kinderzimmer, nur ist in diesem Fall die Skala von vornherein sehr viel kleiner als in den Fortsetzungen, eine Beobachtung, die sich naturgemäß durch das gesamte Werk zieht. Immerhin ist es der erste computererstellte Film überhaupt, von den hier die Rede ist. Nichtsdestotrotz wird gerade bei der 3D-Sichtung schnell deutlich, wie stolz die Pixar-Künstler waren, ihre umwälzende neue Technik zu präsentieren: Während des ersten Liedes „Du hast‘n Freund in mir“, als Andy mit seinem Lieblingsspielzeug fröhlich durch die Wohnung streift, reiht sich eine wilde Kamerafahrt an die nächste, in einer Weise, die heute vielleicht wichtigtuerisch wirkt, seinerzeit aber selbst für Realfilme eine gewisse Herausforderung dargestellt hätte. Natürlich sind die Kamerafahrten nun auch in 3D überzeugend umgesetzt, auch wenn sie im Vergleich mit modernen Nutzungen des Mediums ihren Wow-Effekt weitgehend eingebüßt haben.

Was schon in Pixars erstem Werk auffällt, ist die Leidenschaft, mit der sich die Animatoren bemühen, ihrem Film „wahres“ Leben einzuhauchen und dafür nach den Vorlagen klassischer Spielfilme schielen. Während Andy sich hinter verschlossener Tür umzieht, ist der Schnitt in Licht und Schattenbewegungen eindeutig erkennbar; ein Problem eines realen Drehs, das in dieser animierten Variante erst mühsam simuliert werden muss. Genauso gehören die Sonnenflecken, die während der Endjagd zu sehen sind, eigentlich einer kameratechnischen Vergangenheit an. Diese Art, durch kleine Hommagen an die klassische Filmarbeit zu erinnern, zieht sich durchgehend durch die Welt der Pixar-Filme, wie etwa, wenn in WALL*E die Kamera während der schnellen Bewegung einiger Einkaufswagen kurzzeitig sogar den Fokus verliert.
Nebenbei bemerkt: Eigentlich sind gewisse Animationsfehler in CGI-Filmen schon vom Ansatz her ausgeschlossen, und man sollte meinen, eine falsche Spieglung sei einer davon – trotzdem ist die Mondsichel, die sich an der Tankstelle auf Buzz‘ Helm spiegelt, in derselben Richtung gebogen wie oben am Himmel. Ob das nun ein (extrem leichtfertiger) Fehler ist, oder auch eine Hommage an ähnliche Spiegelfehler, die gerade in Disney-Zeichentrickfilmen immer wieder zu beobachten sind, bleibt dem Betrachter überlassen.

Die Highlights der 3D-Version machen wie immer die Flug- und Jagdszenen aus, die nun in ihrer dreidimensionalen Pracht ihre Wirkung noch vervielfachen können. Namentlich Buzz‘ „elegantes Fallen“ zu Beginn und am Ende des Films kann heutige Zuschauer in 3D in der gleichen Weise beeindrucken, wie es die zweidimensionale Version seinerzeit bei seinem Publikum vermochte.
Ansonsten sieht man dem Film sein Alter und seine Vorreiterposition auch in drei Dimensionen deutlich an. Die Geschichte beschränkt sich zum Großteil auf eine enge Umgebung und visuell konzentriert sich der erste Teil einen bedeutend kleineren Rahmen als seine Fortsetzungen. Die Folge ist, dass auch die 3D-Konvertierung nicht mehr herausholen kann, als in dem Film steckt, so dass man über Längen hinweg von der Tiefenwirkung kaum wirklich etwas mitbekommt.
Doch gerade wenn auch in „einfacheren“ Szenen eine deutliche Dreidimensionalität sichtbar wird, kommt es oft zu einem wunderhübschen Kontrast zwischen der simplen Animation buchstäblich der ersten Generation und ihrer Präsentation in bester 3D-Technik. Ein ähnlicher Kontrast besteht zwar auch zwischen den drei – zeitlich weit getrennten – Filmen der Toy-Story-Reihe, doch gerade das Zusammenspiel zwischen alt und neu in einer einzigen Szene macht den ersten Teil zu einem so beeindruckenden wie charmanten 3D-Erlebnis.