Toy Story 3 ist trotz aller Lobpreisung kein wirklich innovativer Film; wie schon im letzten Artikel ausgeführt, stimmt die grundsätzliche Handlung auf beinah irritierende Weise mit der der beiden Vorgänger-Filme überein:
Zu Beginn wird dem Zuschauer das Spielzeug-Idyll in Andys Kinderzimmer nahegebracht und man erlebt mit, welch starke Bindung zwischen Andy und Woody wirklich herrscht. Dann geschieht ein unerwartetes Ereignis, das diese Beziehung auf die Probe stellt und dazu führt, dass das Spielzeug zurückgestoßen wird. Woody beziehungsweise Buzz geht verloren, landet bei einem lieblosen neuen Besitzer und der andere muss ihm in einer großangelegten Rettungsaktion helfen. Währenddessen wird klar, wie viel Andy sein Spielzeug immer noch bedeutet.
Woody erlebt die Probleme einer anderen Spielfigur und beiden wird daraus die Bedeutung von Spielzeugen an sich (erneut) bewusst. Dann folgt eine rasante Jagd um die letzte Minute, ehe am Ende wieder Harmonie im Spielzimmer einkehrt. Und die Moral ist klar: Die wichtigste Aufgabe eines Spielzeugs ist und bleibt die, Freude zu schaffen und geliebt zu werden.


Doch das hindert den Film zu keiner Zeit daran, ein charmantes, spannendes und durchweg bewegendes Kunstwerk zu sein, und die erwähnten (zum zweiten Mal) wiederholten Handlungsfäden sind so gut verwoben und mit zusätzlicher Komplexität aufgefüllt, dass etwaige Schwächen niemanden zu interessieren scheinen.
Außerdem sieht der Film einfach großartig aus.


In Toy Story 3 wird von der ersten Szene an klar, dass er für eine dreidimensionale Präsentation gemacht wurde. Der Film bietet grandiose Sets und groß angelegte Kamerafahrten, die von Anfang an klar machen, dass man darauf geachtet hat, den technischen Fortschritt ideal zu nutzen. Gleichzeitig artet das Ganze niemals in ein typisches Action-Szenario aus und nirgendwo wird Bombast um des Bombasts wegen genutzt; stattdessen reichen für einen Großteil der Lauflänge ganz urbane Umgebungen aus, um den Zuschauer zu fesseln und optisch wie storytechnisch zu beeindrucken. Gerade die Szenen in Sunnyside zeigen, wie viel alleine die glückliche, beziehungsweise düstere Ausleuchtung einer Szenerie bewirken kann, und auch hier wird der 3D-Vorteil immer wieder perfekt zur Unterstreichung der jeweiligen Stimmung verwendet.


Die Menschen, die in den ersten Teilen noch seltene Randfiguren waren, nehmen jetzt gerade emotional einen sehr viel höheren Stellenwert im Film ein – am Ende sind es nicht etwa Woody oder Buzz, sondern Andy und Molly die alleine das gesamte Finale tragen. Daher ist es kaum verwunderlich, dass man sich bei Pixar entschied, die neuen Modelle in einem krassen Kontrast zu den bisherigen menschlichen Figuren zu designen, und sieht man sich zum Vergleich noch einmal Sids kleine Schwester an, ist der Stilbruch wirklich eine verständliche Entscheidung.
Das gleiche Problem wurde für die Spielzeuge selbst dagegen optimal gelöst. Um die dazugewonnenen Animationsmöglichkeiten wirklich zu nutzen, wurden am Computer neue Modelle von Woody, Buzz und Co geschaffen, die sehr viel diffizilere Bewegungen und ein höheres Emotionsspektrum ermöglichen, doch gleichzeitig stößt der Unterschied zu den anderen Filmen niemals störend auf. Es bleiben ohne Zweifel immer noch dieselben Figuren, die die Zuschauer seit nun fast zwei Jahrzehnten ins Herz geschlossen haben.
Der subtile, doch wirkungsvolle Einsatz der vorangeschrittenen Technik lässt sich gut daran verdeutlichen, wie das Aussehen einer bespielten Puppe in Teil zwei und drei jeweils dargestellt werd. Während Woody in Toy Story 2 von dem Restaurator hauptsächlich ein anderes Shading verpasst bekommt, weisen Buzz, Jessie und die anderen jetzt nach einem Tag in den Händen der Kleinkinder durchweg realistische Gebrauchsspuren auf. Nebenbei ist auch Buzz‘ Leuchten nun um einiges realitätsnäher animiert, auch wenn die Helligkeit zu Handlungszwecken in einen eher übertriebenen Bereich gesteigert wurde.


Da ich mir vorletztes Jahr für den Kinobesuch zu viel Zeit gelassen hatte, konnte ich auch Toy Story 3 jetzt erst in 3D sehen, und während der ganze Film naturgemäß von der Erweiterung profitiert, gibt es eine Stelle, bei der der Unterschied gewaltig ist: die Szene im Verbrennungsofen. Es ist keine Frage, dass diese Szene spannend, rührend und durch und durch beeindruckend ist, doch nachdem ich den Film damals gesehen hatte, konnte ich den allgemeinen Hype um dieses Action-Finale kaum verstehen – dass es sich trotz groß angelegter Vorarbeit nicht wirklich um das Ende unserer Spielzeug-Crew handelt, war durch die Rahmenbedingungen zu selbstverständlich.
Doch dieses Mal war der Eindruck des vorbereiteten Abschieds ein völlig anderer; unterstützt von der Dreidimensionalität der Bilder kommen die gewaltigen Ausmaße des Ofens genauso viel stärker zum Ausdruck wie die kleine Zerbrechlichkeit der Figuren, die in dem höllischen Inferno keinen Halt mehr finden als ihre gegenseitige Freundschaft. Und erst jetzt habe ich die Szene verstanden.

Toy Story 3 endet auf einer wundervoll bittersüßen Note, die den Film selbst genauso wunderbar abschließt, wie die ganze Trilogie. Am Treffendsten wird dieser Rahmen durch das Schlussbild dargestellt, die am Himmel hängenden Wolkenberge, die nicht nur die Wolken zu Beginn dieses Films wiederholen, sondern auch  das einfache Wolkenmuster auf Andys Tapete, das zu Beginn von Toy Story der erste Blick war, den die Zuschauer damals in die Welt der Spielzeuge und somit Pixars Universum werfen durften.