Auch wenn Toy Story 2 erst der dritte Film aus dem Hause Pixar ist, sind die Entwicklungen seit Teil eins unverkennbar. Bereits die erste Szene, die Buzz Lightyears Science-Fiction-Welt in einem Computerspiel zeigt, ist großartig – und das in 3D mehr denn je.
Was während des Films besonders auffällt, ist die Entwicklung, die die menschlichen Figuren im Verlauf der kurzen Zwischenzeit durchgemacht haben. Sahen die Kinder in Teil eins noch selbst aus wie (leicht missgestaltete) Gummipuppen, so sind Al und der Restaurator Gerry wirklich auf dem Niveau „realistischer“ Pixar-Figuren – und das, obwohl sie seit Toy Story die nächsten von Pixar animierten Menschen waren.

Doch die interessanteste neue Gestalt in Toy Story 2 ist zweifellos Jessie, das jodelnde Cowgirl, eine Bereicherung des Filmuniversums und für mich die lebendigste Figur der Trilogie. Gerade ihre erste Szene schreit geradezu danach, mit einer dritten Dimension aufgewertet zu werden. Wie sie Woody in Als Appartment aus dem Nichts überrascht und mit ihrer unerwarteten Aufdringlichkeit vollkommen einschüchtert, wird durch die zusätzliche Dimension für den Zuschauer wunderbar unterstrichen – auch wenn man sich gerade hier fragen könnte, ob die Wirkung der Szene nicht noch weiter hervorgehoben werden könnte. Natürlich bewegt sich Jessie jetzt wirklich auf den Bildschirm zu, doch im Gegensatz zu der vergleichbaren Szene in Die Schöne und das Biest, wo der erste Auftritt des Biestes durch die zusätzliche Tiefe zu etwas geradezu physisch Bedrohlichem wurde, bleib Jessie doch immer brav im Rahmen des Bildes und die überbordend-manische Animation muss den Hauptteil der Arbeit weiterhin in den traditionellen zwei Dimensionen leisten.
Dieses Manko zieht sich allerdings konsequent durch die Filme. Bob Whitehill, der für die 3D-Konvertierungen zuständig war, betonte selbst, dass sie bewusst eine konkave Tiefenwirkung erzielen wollten, die den Zuschauer in den Film „hineinzieht“. Dass somit die verpönte Gimmick-Wirkung herausstechender Elemente vermieden werden sollte, ist vielleicht löblich, insgesamt beraubt man gerade den zweiten Film dadurch jedoch einiger Möglichkeiten, spezielle Szenen noch wirkungsvoller zu inszenieren. Im Gegensatz zu dem generell klein gehaltenen ersten Teil gäbe es in Toy Story 2 nämlich durchaus Potential für Wow-Effekte, die gerade die Action-geladeneren Szenen mit zusätzlichen Elementen versehen könnten.


Insgesamt ist jedoch eindeutig zu sagen, dass sich die 3D-Version des Films hier weit natürlicher anfühlt, als bei seinem Vorgänger. Die moderne Präsentation passt zu der Animation und so fügen sich alle Teile nahtlos zu einem Ganzen, ohne wie bei Toy Story das skurrile Gefühl eines gewissen Kultur-Clashes zu hinterlassen. Der Film bietet mehr Außenaufnahmen, ambitioniertere Kamerabewegungen und mehr Action, und all diese Komponenten können nun in 3D umso mehr zu ihrem Recht kommen, um sich zu einem  wunderbaren Ganzen zu fügen.


Im Gegensatz zu der technisch stark weiterentwickelten Animation bleibt die Geschichte von Toy Story 2 allerdings brav im zuvor abgesteckten Rahmen – Gerade wenn man sich den zweiten Teil in kurzem Abstand zu seinem Vorgänger ansieht, fällt auf, wie ähnlich das grundlegende Story-Konzept der beiden Filme doch ist.
Zu Beginn wird dem Zuschauer das Spielzeug-Idyll in Andys Kinderzimmer nahegebracht und man erlebt mit, welch starke Bindung zwischen Andy und Woody wirklich herrscht. Dann geschieht ein unerwartetes Ereignis, das diese Beziehung auf die Probe stellt und dazu führt, dass das Spielzeug zurückgestoßen wird. Woody beziehungsweise Buzz geht verloren, landet bei einem lieblosen neuen Besitzer und der andere muss ihm in einer großangelegten Rettungsaktion helfen. Währenddessen wird klar, wie viel Andy sein Spielzeug immer noch bedeutet.
Woody erlebt die Probleme einer anderen Spielfigur und beiden wird daraus die Bedeutung von Spielzeugen an sich (erneut) bewusst. Dann folgt eine rasante Jagd um die letzte Minute, ehe am Ende wieder Harmonie im Spielzimmer einkehrt. Und die Moral ist klar: Die wichtigste Aufgabe eines Spielzeugs ist und bleibt die, Freude zu schaffen und geliebt zu werden.


Auch wenn der Plot der beiden Filme wirklich extreme Ähnlichkeiten aufweist, stört das den Filmgenuss keineswegs; Toy Story 2 ist in seiner Ausarbeitung viel zu kreativ und frisch, um zu einem Abklatsch des Vorgängers zu werden. Man kann dem Film seine Entstehungsgeschichte praktisch ablesen, die als typisches Disney-Sequel-Produkt der 90er begann, mit aller Nachlässigkeit, was die Klischees angeht, und dem seinerzeit so oft genutzten Ansatz, die Geschichte des ersten Teils mit umgedrehten Rollen neu zu erzählen. Am Ende ist es nur der Genialität von Pixar zu verdanken, dass aus diesem Grundkonstrukt nicht nur ein würdiger Nachfolger des ersten Teils, sondern der nach allgemeiner Ansicht definitiv bessere Film entstanden ist.Nun könnte man natürlich erwarten, dass eine Fortsetzung, die ganz unter Pixar-Schirmherrschaft entsteht, es nicht nötig hat, derartige Klischees und ähnliche Handlungsbögen weiter zu bedienen – sagen wir, das Ergebnis spricht eine deutliche Sprache …