Anstelle eines Sommerlochs hier nun einige ältere Artikel: Diese Vergleichsreihe zwischen dem Original-Disneyland in Anaheim und Disneyland Paris erschien 2011 auf sdb-film.de, der Seite meines geschätzten Freundes und Blogger-Kollegen Sidney Schering.

So, hiermit bin ich beim Finale meiner Vergleichsreihe angekommen – die beiden Shows, die in Anaheim und in Paris nun täglich den Abendhimmel erleuchten.
Dabei kommt beiden Präsentationen eine enorme Bedeutung in ihren jeweiligen Parks zu. Als World of Color im Sommer 2010 eröffnet wurde, gelang es der Show praktisch im Alleingang, California Adventures zu neuem Ruhm zu verhelfen und den schlechten Ruf des Parks zu heben. Die Show ist so erfolgreich, dass man sich als Zuschauer für die (enorm große) Tribünenfläche Tickets besorgen muss, die täglich bis zum Mittag vergriffen sind. Disney Dreams! stellte für 2012 dagegen die große Neuerung in Paris dar, die den 20. Geburtstag von Disneyland attraktionsmäßig erfolgreich alleine bestreiten konnte.

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Anaheim

Gerade weil es sich in beiden Fällen um Vorführungen handelt, die ihre Zuschauer auf möglichst vielen Ebenen bewegen, aber auch beeindrucken wollen – anders gesagt, es geht nicht zuletzt um den „Wow-Effekt“ – macht es, denke ich, einen großen Unterschied, ob man die Show wirklich direkt erleben konnte. Und das fängt schon bei der jeweiligen Umgebung an. Anders als bei einer Videopräsentation stehen die Shows in Wirklichkeit ja nicht im luftleeren Raum; sie beide sind von Stimmung und Thematik her fest in ihr Umfeld eingegliedert.

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Paris

Disney Dreams! kann in Paris mit der Kulisse des Dornröschenschlosses nicht nur den geographischen Mittelpunkt des Parks für sich verbuchen, sondern vor allem den thematischen – ein phantastischeres Umfeld als dieses ist kaum vorstellbar. Damit erhebt die Show schon von vornherein den klaren Anspruch, der zauberhafte Mittelpunkt des Abends zu sein, und dazu ein würdiger Ersatz für das frühere Feuerwerk. In Anaheim hat Disneyland dagegen ein eigenes Schloss-Feuerwerk; hier geht es bei World of Color wirklich um eine Alternative zu der um das Dornröschenschloss flatternden Tinker Bell. Damit muss und will die Show nicht wie in Paris alle erwünschten Aspekte vereinen.

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Anaheim

Nicht umsonst befindet sich World of Color nicht in Disneyland, sondern in California Adventure. Natürlich handelt es sich dabei auch um einen Disneypark, aber der Fokus ist unübersehbar anders gesetzt – es geht bei dem Park weit weniger um Zauber und Disneymagie, sondern um Abenteuer und grandiose Erlebnisse. In diesem Sinne ist auch die gesamte Umgebung gestaltet; die Zuschauer betrachten die Show vor der Kulisse des Paradise Pier, der nicht etwa von einem Schloss, sondern von Mickeys Riesenrad dominiert wird. Damit herrschen von Anfang an völlig andere Erwartung an die Show, und auch wenn die glamouröse Cony-Island-Stimmung Paris‘ traumartige Schlosskulisse kaum übertreffen kann, so macht sie ihr durch ein völlig anderes Feeling doch gewaltige Konkurrenz.
Aber es gibt von der Umgebung her noch einen anderen, nicht unerheblichen Unterschied: Statt der kleinen Schlossfläche steht hier ein riesiges Becken zur Verfügung, das Platz für eine wahre Unmenge an Wassergeräten gibt. Alleine technisch hat World of Color dadurch einen Riesenvorsprung.

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Paris

Eigentlich sagen diese Vorbedingungen schon alles über das Wesen der beiden Shows aus: Disney Dreams! bietet eine magische Präsentation, während World of Color zuallererst spektakulär sein will. In diesem Sinne bemüht man sich in Anaheim gar nicht erst darum, eine zusammenhängende Geschichte zu erzählen; es geht um das Erlebnis, um die grandiosen Effekte, auf die sich die Show denn auch voll und ganz konzentriert. Das Ergebnis ist schier überwältigend; riesige Wasserfontänen und gewaltige Feuereffekte erfüllen immer wieder die gesamte Sichtweite der Zuschauer. Hier ist definitiv das Wasser selbst die Hauptsache, auf die jede Einzelheit der Show voll und ganz ausgerichtet ist.

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Paris

Disney Dreams! ist alleine von seinen Ausmaßen sehr viel kleiner gestaltet, doch dafür ist es den Künstlern gelungen, den vorhandenen Platz auf völlig andere Weise zu nutzen. Hier bekommt der Zuschauer eine eigene Geschichte um Peter Pan und seinen widerspenstigen Schatten erzählt, und die Effekte sind hauptsächlich dafür da, diese Handlung zu unterstreichen, statt die eigene Hauptattraktion zu sein. Außerdem kann die Show zusätzlich auf die Macht von Feuerwerk, Schlosskulisse und vor allem den grandiosen Projektionen zählen – und sie nutzt diese Mittel mit beeindruckender Effizienz. Das Wasser ist schließlich kaum mehr als ein schönes Beiwerk, während das Schloss selbst sicher den ersten Rang einnimmt, weshalb ich das Ganze auch eher als Projektions-, denn als Wassershow bezeichnen würde.

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Anaheim

Die Show will berühren und auf künstlerischer Ebene beeindrucken, wie wenn das Schloss kurzfristig zu Notre-Dame wird, oder auch zu einer Steampunkversion seiner selbst, die, begleitet von düsterster Musik, wirklich beeindruckend wirkt. World of Color beruft sich dagegen ganz auf die überwältigende Wirkung, die schon alleine aus der genutzten Größe entsteht. So hat das Bösewicht-Segment in Anaheim eine vollkommen andere Wucht; die Musik aus Fluch der Karibik geht über in den Feuervogel und die Nacht auf dem kahlen Berg, ehe schließlich während Das Feuer der Hölle der gesamte Horizont buchstäblich in Flammen steht. Es handelt sich für den Zuschauer um ein wahres Erlebnis, wohingegen Disney Dreams! eher eine theaterartige Präsentation sein will.

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Anaheim

Wie schon zu Beginn festgestellt, muss meine eigene Beurteilung gerade in diesem Falle höchst subjektiv ausfallen. Auch wenn zugeben muss, dass Disney Dreams! wohl realistisch betrachtet die durchdachtere, „bessere“ Show sein mag, so war das Liveerlebnis von World of Color doch eine einmalige Erfahrung, die in seiner überwältigenden Wirkung von nichts zu übertreffen ist.