Anstelle eines Sommerlochs hier nun einige ältere Artikel: Diese Vergleichsreihe zwischen dem Original-Disneyland in Anaheim und Disneyland Paris erschien 2011 auf sdb-film.de, der Seite meines geschätzten Freundes und Blogger-Kollegen Sidney Schering.

Ich habe schon in anderen Artikeln ein oder zwei Mal auf die jeweiligen Schwesterparks der beiden Disneylands geschielt, doch nun will ich die Gelegenheit nutzen, ihnen ein paar eigene Beurteilungen zu spendieren: Disney California Adventure und Walt Disney Studios Park.
Die beiden Parks sind in jeder Hinsicht gut vergleichbar. Beides sind spät hinzugefügte Zusätze zu „klassischen“ Disney-Parks, beide konzentrieren sich stark auf ein Film- beziehungsweise Hollywood-Thema – und beide sind seit ihrer Eröffnung stärksten Vorwürfen und Kritiken ausgesetzt. Es heißt, die beiden Parks seien zu klein und würden nicht dem üblichen Disney-Standard genügen; Disney-Veteran John Hench beurteilte DCA trocken: „Es gefiel mir besser, als es noch ein Parkplatz war.“
Die Tatsache, dass die jeweilige Thematisierung der Parks in den letzten Jahren durch die Hinzufügung verschiedener Pixar-orientierter Bahnen stark außer Kraft gesetzt wurde, ist dabei gleichermaßen auf Lob wie auf Schmähungen gestoßen.

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Paris

Disney California Adventure wurde in Anaheim 2001 eröffnet und konzentriert sich, wie der Name schon sagt, auf eine Darstellung der verschiedenen Seiten des Sonnenstaats – zugegebenermaßen ein seltsamer Ausgangspunkt für einen Park, der eine Dreiviertelstunde südöstlich vom Hollywood-Boulevard liegt. Im Vergleich dazu macht der Walt Disney Studios Park in Paris seit 2002 mit seiner Hollywood- beziehungsweise Filmstudio-Thematisierung wohl deutlich mehr Sinn, auch wenn diese Beschränkung nicht viel Raum für Vielfalt oder Disney-Feeling lässt und folglich in der letzten Zeit zunehmend ausgeleiert wird.
Gerade der WDSP bietet bislang in der Tat recht wenig für einen „eigenen“ Park, obwohl man eifrig dabei ist, diesem Problem mit neuen, aufwändigen Attraktionen zu Leibe zu rücken. Zu der Eigenständigkeit von DCA kann ich dagegen wenig sagen, da der Park bei meinem Besuch mitten in einer großen Umbauaktion war und man mehr Stellwände als echte Kulissen sah, doch nach allem was man hört, scheint der Showeffekt seit der gloriosen Neupräsentation erheblich gestiegen.
Auf jeden Fall bieten beide Parks einen angenehmen Zusatz zu dem gewöhnlichen Disney-Aufenthalt und sind auch für Eintagesbesucher den Aufschlag zum Disneyland-Ticket allemal wert.

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Anaheim

DCA bietet zwei größere „Wahrzeichen“-Bahnen: den prominenten Grizzly Peak in der Mitte des Parks und den Paradise-Pier-Bereich mit beeindruckendem Riesenrad am Rand.
Als reine Wasserbahn ist Grizzly Peak mit den winterfesten Pariser Attraktionen kaum vergleichbar; entgegensetzen könnte man ihm vielleicht am ehesten die simulierte Wasserbewegung in Crush‘s Coaster. Doch im Gegensatz zu fast allen Attraktionen des WDSP glänzt Grizzly Peak auch äußerlich mit einer beeindruckenden Kulisse in riesige Bärenkopf-Berg-Form, die einen gewissen Kontrast zu dem Rest des eher Nostalgie-Glamour-behafteten Parks darstellt.

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Anaheim

Der wohl auffälligste Bereich des Parks ist Paradise Pier, eine Rekreation eines klassischen amerikanischen Vergnügungsparks – oder böse ausgedrückt, eines der Vergnügungsparks, die Walt Disney seinerzeit mit Disneyland revolutionieren und ersetzen wollte.
Das markante Riesenrad, das den Blick der Besucher schon von weitem auf sich zieht, wird seinem Show-Effekt in erstaunlicher Weise gerecht; es bietet nicht nur einen netten Ausblick auf beide Parks, sondern stellt sich auch als überraschend amüsante Fahrt heraus. Die Hälfte der Gondeln zeichnen sich nämlich durch ihre bewegliche Lage aus, so dass sie nicht nur bei jeder Bewegung hin und her schaukeln, sondern den Gästen zweimal pro Umdrehung eine recht schnelle Rutschfahrt zur Mitte beziehungsweise zum Rand des Rades gönnt.
Daneben findet man in California Screamin‘ eine einigermaßen turbulente Achterbahn, die für eine gelegentliche Fahrt ganz reizvoll ist, aber auch nicht viel mehr. Erwähnenswert sind ansonsten noch Toy Story Midway Mania!, eine interaktive Schießbahn, die mich genauso wenig reizt wie Buzz Lightyear Laser Blast, und mit Silly Symphony Swings ein sehr nettes Kettenkarussell, das alleine durch sein Äußeres und die passend unpassende, klassische Musik zu punkten weiß.

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Paris

Was besondere Blickfänge angeht, hat WDSP im Vergleich dazu nicht allzu viel zu bieten. Alleine durch die initiale Idee des Filmstudios sind gerade die originalen Bahnen sämtlich in nichtssagende Studio-Klötze gepackt, bei denen man nicht einmal zwischen Restaurant, Show oder Achterbahn unterscheiden kann. Und während DCA bei Nacht einen atemberaubenden Blick eröffnet, schließt WDSP im Sommer regelmäßig, bevor noch irgendeine Art von besonderer Beleuchtung nötig wäre.
Wenn man in WDSP nach wilderen Fahrgeschäften sucht, ist man (abgesehen von Crush‘s Coaster) im Backlot am besten aufgehoben. Neben den lustigen, aber recht schnell abgehakten Action-Shows Armageddon – Les Effets Sepciaux und Moteurs… Action! Extreme Stunt Show ist vor allem der Rock‘n‘Roller Coaster langfristig interessant: eine stürmische Achterbahn, die dem Besucher buchstäblich von der ersten Sekunde an Tränen in die Augen treibt, ihn durch magenverdrehend langsame Loopings führt und mit Sicherheit niemals langweilig wird – meiner Meinung nach die beste Achterbahn aller Parks.

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Anaheim

Da ich das Glück hatte, in Anaheim wenigstens den Paradise Pier (größtenteils) ohne Stellwände zu erleben, ist es keine Frage, welcher der beiden Bereiche den größeren Eindruck macht. Gerade bei Nacht bietet DCA einen grandiosen Anblick, während das Beste, was man in WDSP erhoffen kann, ein Blick auf das Dornröschenschloss in der Ferne ist. Im Gegenzug kann Paris mit einer einmaligen Achterbahn punkten, auch wenn diese in der buchstäblich letzten Ecke des Parks sorgfältig versteckt liegt.

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Anaheim

Wie schon erwähnt, haben beide Parks gewisse Probleme, allgemein als „disneywürdige“ Zusätze zu gelten, und eine Maßnahme, die dabei abhelfen sollte, war die Hinzufügung neuer, Pixar-konzentrierter Themenbereiche: A Bug‘s Land in DCA und Toy Story Playland in WDSP.
Die Gestaltung beider Länder läuft im Groben auf das gleiche hinaus; durch eine Kombination von künstlichen Kulissen und echten, besonders hohen Gewächsen wird für die Gäste die Illusion geschaffen, sie wären, auf Insekten- beziehungsweise Spielzeuggröße geschrumpft, in einem übergroßen Garten gelandet. Leider ist diese liebevolle Grundarbeit auch schon der hauptsächliche Reiz des Ganzen, denn was Fahrgeschäfte angeht, kann A Bug‘s Land nichts bieten, das auch nur für etwas größere Kinder von Belang ist – der einzige Ansatzpunkt für alle Altersklassen ist das wirklich gelungene 3D-Kino It‘s Tough to be a Bug inklusive einer schauerlich realistischen Audio-Animatronic-Figur von Hopper. Toy Story Playland ist kaum ergiebiger, doch verfügt es mit dem RC Racer zumindest über eine etwas anspruchsvollere Bahn, was die beiden Länder insgesamt auf einen groben Gleichstand bringt.

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Paris

Ein Teil beider Parks, der sowohl für einen beeindruckenden Blickfang als auch für eines der aufregendsten Schwindel-Erlebnisse sorgt, ist das düstere Hotel, das mit seiner eingerissenen Fassade schon von weitem The Twilight Zone Tower of Terror ankündigt. Zweifelsohne birgt der aufwendig hergerichtete Freefall-Tower eine der tollsten Fahrten der Parks, doch da er in seinen beiden Inkarnationen vollkommen identisch aufgebaut ist, lässt sich zu einem Vergleich nicht allzu viel sagen. Um auf den einzigen Unterschied der Attraktionen einzugehen: Der zweisprachige Text wurde in DCA auf englisch und spanisch von demselben Sprecher eingespielt – dafür bin ich in WDSP froh, beide Versionen verstehen zu können.

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Anaheim

Für Animationsliebhaber besonders geeignet ist die der Disney-Animation-Bereich, die in beiden Parks nahe der Hollywood-Rekreation liegt. In DCA befinden sich hier die Animation Academy und der Sorcerer‘s Workshop, wo man unter Anleitung Disneyfiguren malen und einige interaktive Spiele zu den Disney-Filmen entdecken kann. Ein ähnliches Prinzip verbirgt sich auch in WDSP in der Animation Academy, nur dass statt ein paar Spiele weniger hier mit Art of Disney Animation noch zwei kurze Vorführungen zur Geschichte der Disney-Zeichentrickkunst dazukommen.
Dafür bietet DCA statt einer simplen Showhalle allerdings verschiedene so aufwändige Kulissen, dass sie beinahe selbst als Attraktion durchgehen können. So sind die Stationen unter anderem in der sich wandelnden Bibliothek des Biestes aufgebaut, oder mitten in Ursulas Untersee-Höhle.

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Anaheim

Dann gibt es in DCA noch den Darkride Monsters, Inc. Mike & Sulley to the Rescue! und Soarin‘ Over California, eine beeindruckende Simulation von einem Paraglidingflug über Kalifornien – inklusive von passendem Wind und Duft.
Ansonsten bestehen die Attraktionen der Parks hauptsächlich aus verschiedenen Arten von Shows und Vorführungen. DCA kann zwei 3D-Shows mit Audio-Animatronic-Einlagen vorweisen, It‘s Tough to be a Bug und Muppets*Vision 3D, dafür hat WDSP mit Animagique und CinéMagique zwei originelle Live-Shows – auch wenn beide bei weitem nicht an Niveau des schon besprochenen Aladdin-Musicals heranreichen. In WDSP gibt es dazu die Stunt Show, die mittlerweile eher abgemagerte Studio Tram Tour, und ein interaktives Treffen mit Stitch Live!, das wiederum genau auf einer Linie liegt mit DCAs Turtle Talk with Crush.
Und natürlich bietet DCA noch die brillante Wassershow World of Color, die ich mir noch für einen eigenen Artikel aufspare.

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Paris

Für eine Wertung liegen die Punkte insgesamt eindeutig verteilt. DCA ist definitiv der überlegene Park; er bietet mehr Vielfalt, schönere Kulissen und generell bessere Attraktionen, nicht zuletzt weil er doch um einiges größer ist – und das zu einem Zeitpunkt, wo die Hälfte des Parks durch Stellwände verdeckt war. Durch das mittlerweile neueröffnete Cars Land und The Little Mermaid: Ariel’s Undersea Adventure sollte der Unterschied noch um einiges deutlicher sein. Es bleibt die Frage, was WDSP im Laufe der nächsten Jahre tun wird, um seinem Status als Disneypark-Stiefkind abzuhelfen. Die neue Ratatouille-Bahn (die ich leider auch noch nicht selbst besucht habe) sollte auf jeden Fall ein guter Ansatz sein, das Problem weiterhin Schritt für Schritt zu lösen.