Anstelle eines Sommerlochs hier nun einige ältere Artikel: Diese Vergleichsreihe zwischen dem Original-Disneyland in Anaheim und Disneyland Paris erschien 2011 auf sdb-film.de, der Seite meines geschätzten Freundes und Blogger-Kollegen Sidney Schering.

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Paris – Aurora in blau!

Neben den (mehr oder weniger) informellen Treffen mit den Disneygestalten, gibt es in den Disney-Parks noch andere Wege, seine Lieblingsfiguren live zu erleben – allen voran die prächtigen Vorführungen, in denen Szenen oder ganze Teile Filme für die Zuschauer nachgespielt werden. Das Aufwendigste sind aber die Shows, die in speziell dafür eingerichteten Theatern meist jahrelang präsentiert werden, und mehrmals täglich innerhalb einer halben bis Dreiviertelstunde einen ganzen Film als großangelegte Live-Performance darbieten.
Diese Aufführungen haben seit der Eröffnung von Disneyland eine lange Tradition, doch da sie sehr viel häufiger wechseln als übliche Attraktionen, ist ein gerechter Vergleich relativ schwer. Ich selbst habe nur die aktuellsten dieser Shows gesehen, die innerhalb der letzten Jahre gelaufen sind: La Legende du Roi Lion und Tarzan – La Rencontre in Disneyland Paris und Aladdin – A Musical Spectacular in Disney California Adventure Park in Anaheim. Auch wenn sich diese drei Shows in ihrer Machart maßgeblich unterscheiden, sind sie doch in ihrem Anspruch und Produktionsaufwand vergleichbar und bieten sich dadurch für eine nähere Betrachtung an.

La Legende du Roi Lion (Der König der Löwen):

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Diese Show hatte ihren Ursprung als The Legend of the Lion King in Walt Disney World Resort, wo der Film in einer großangelegten Bühnenshow mit lebensgroßen Puppen nacherzählt wurde – das wohl naheliegendste Konzept für einen Film, dessen Protagonisten ausschließlich Tiere sind. Doch dann trat das Broadway-Musical seinen Erfolgszug an und bewies, dass es auch andere Möglichkeiten gibt, überzeugende Löwen auf die Bühne zu bringen, und so änderte sich die Show für Disneyland Paris fundamental.
vlcsnap-14030223Es gibt immer noch Puppen, die die Figuren aus dem Film darstellen, aber das nur für die Rahmenhandlung – in der „eigentlichen“ Show werden die Hauptfiguren wie im Musical von Menschen präsentiert, auch wenn diese hier eher als Reenacter der Szenen fungieren. Damit gleicht sich das Konzept dem Musical an, doch wird es in seiner Ausprägung immer noch „sicherer“ gehandhabt. Die Zuschauer bekommen Simba zu sehen, wie sie ihn gewohnt sind, und müssen sich nicht über eine herausstechend unkonventionelle Darstellung wundern, aber trotzdem wurde die Gelegenheit genutzt, den grandiosen Stil des Musicals einzusetzen.
Kulissen und Kostüme der Show lassen nichts zu wünschen übrig, stechen jedoch für Disney-Verhältnisse nicht besonders heraus. Somit bleibt insgesamt eine überzeugende Show, die leider vor einigen Jahren aus dem Park verbannt wurde, ohne einen überzeugenden Ersatz zu hinterlassen.

Tarzan – La Rencontre:

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Diese Show macht sich ein völlig anderes Konzept zu eigen, das mit herkömmlichen Musicals wenig gemein hat. Im Gegensatz zu den von König der Löwen und Aladdin inspirierten Vorführungen werden hier keine Lieder des Films gesungen, sondern der Schwerpunkt liegt auf einem ganz anderen Aspekt: der Akrobatik. Beinahe ohne Worte werden in dieser spektakulären Zirkus-Show die Hauptszenen der Geschichte nacherzählt – mit Ausblendung des Bösewichts, was bei der relativ schwachen Figur nicht stört – und bilden den Hintergrund zu allerhand artistischen Vorführungen.
DCIM100MEDIANatürlich kommt die Musik auch nicht zu kurz; die Filmlieder werden als Begleitmusik eingespielt, und da es genug von Phil Collins eingesungene Sprachfassungen gibt, springt der Soundtrack munter zwischen ihnen hin und her. Auch wenn dabei keineswegs auf den Sinn der einzelnen Sprachschnipsel geachtet wird …
Im zweiten Teil der Show rückt Terk in Mittelpunkt, die – als einzige der Affen in kindgerechtem Maskottchen-Outfit – die Zuschauer anstiftet, den Krach im Lager nachzuspielen. Dieser Teil hat leider keinen künstlerischen Anspruch mehr, aber es reicht, um das Publikum zum fröhlichen Im-Takt-Klatschen zu bringen und den nach vorne kommenden Kindern Freude am Lärmen zu verschaffen. Wem dieser Teil nicht gefällt, der kann die Vorstellung natürlich jederzeit verlassen – ein Wermutstropfen ist nur der Gedanke, was man aus diesem Teil der Laufzeit sonst alles hätte machen können.

Aladdin – A Musical Spectacular:

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Diese Show, die ein riesiges, mehrstöckiges Theater in Anspruch nimmt und mehrmals am Tag füllen kann, ist wohl am ehesten als richtiges „Musical“ zu bezeichnen – wie es sich auf Grundlage des Films auch anbietet. Mit verschiedensten prächtigen Sets und einer riesigen Besetzung wird die Geschichte von Aladdin life nacherzählt und vor allem gesungen. Dabei kann die Show sogar ein neues Lied vorweisen, in dem Jasmin ihren Ich-will-Moment erhält; ein Lied, das sich, gerade durch die Verwendung des Filmsoundtracks als Refrain, perfekt in die Geschichte eingliedert.
DCIM100MEDIADschinni kann auch ohne Zeichentrick-Zauber seine Entertainer-Rolle voll ausleben und möbelt mit aktuellen und trotzdem erstaunlich unpeinlichen Witzen die Stimmung auf.  Dazu kommen spektakuläre Spezialeffekte, wie Aladdins Einzug auf einem lebensgroßen Elefanten, der Flug auf dem Teppich über das Publikum hinweg und Dschafars Verwandlung erst in eine Schlange und dann in einen allmächtigen Dschinni.
Insgesamt verfügt die Show über Produktionswerte, auf die jedes „echte“ Musical stolz sein könnte, und auch wenn die Vorführung nur 45 Minuten lang ist, hat man Gefühl, eine theaterreife Performance miterlebt zu haben. Damit ist sie für mich der knappe Favorit von drei beeindruckenden Shows, die man bei entsprechender Gelegenheit auf keinen Fall verpassen sollte.

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