Mit Das letzte Einhorn gelang Peter S. Beagle 1968 ein ungewöhnlicher Roman, der dem unsterblichen Bild des Einhorns abseits von üblichem Kitsch eine so klassisch-passende wie neuartige Facette zu geben vermochte. Es ist ein unerwarteter Glücksfall, dass dieses grandiose Buch unter Mitwirkung des Autors als Drehbuchschreiber 1982 in einen fast genauso lyrischen Film verwandelt wurde, der Beagles Geschichte durch passende Animation und wunderbare Musik zu untermalen weiß. Der Film hatte nur einen kleinen Kino-Release, währenddessen er einen vergleichsweise unerwarteten Erfolg feierte – bis der Verleih zwei Wochen nach Filmstart bankrottging und weiterreichende Kinoerfolge im Keim erstickte. Doch dieser Rückschlag konnte den Film nicht daran hindern, sich über VHS- und Fernsehauswertungen als fester Kultfilm zu behaupten und über die Jahre hinweg ein treues Publikum zu gewinnen.

Über die Qualität der Geschichte muss man wohl wenig sagen. Jeder, der Das letzte Einhorn bewusst anschaut, wird wissen, dass man den Inhalt des Films nicht mit einem simplen Märchen verwechseln darf. Die Suche eines Einhorns nach seinen verschwundenen Artgenossen sieht vielleicht auf den ersten Blick aus wie ein einfaches Abenteuer, aber in Wirklichkeit schuf Beagle eine höchst philosophische und gleichzeitig traumhaft schöne Geschichte über Unsterblichkeit, Liebe und das Wesen des Mensch-Seins.
Auch in anderer Hinsicht ist das Werk gerade für einen angeblichen Kinderfilm ungewöhnlich geraten; wir haben eine im wahrsten Sinne des Wortes unmenschliche Hauptfigur, und als Gegenpol in König Haggard einen „Bösewicht“, dessen Beweggründe vollkommen verständlich erscheinen und dessen einziges Ziel es ist, für einen Moment glücklich zu sein. Gerade bei Haggard war es für die deutsche Fassung des Films ein absoluter Glücksgriff, dass Christopher Lee seine Rolle auf Deutsch selbst synchronisiert hat.
Der Film hat generell eine sehr ungewöhnliche, animeartige Animation, wie es bei seinem japanischen Studio nicht verwundert. Die Bewegungen sind überschwänglicher und „seidiger“ als bei der typischen Disneyanimation, ohne dabei an die ungeduldige Zappeligkeit eines Don-Bluth-Filmes zu erinnern. Trotz seines niedrigen Produktionswertes sieht Das letzte Einhorn auch als Film wundervoll aus, auch wenn gerade die fließende Qualität der Bewegungen von Lady Amalthea teilweise im Kontrast zu den Beschreibungen des Buches steht. Und wie Beagle selbst sagte, war eine derart originalgetreue Verfilmung zumindest zu der Zeit nur als Zeichentrickfilm möglich, denn das Einhorn ist eben erklärtermaßen auch äußerlich alles andere als ein simples, gehörntes Pferd.

Von dem zunehmend guten Erfolg des Films hat Autor und Drehbuchschreiber Beagle allerdings dank einem andauernden Rechtestreit mit dem Studio über lange Zeit nichts gehabt. Erst im Sommer 2011 wurden diese Vertragsschwierigkeiten gütlich beigelegt, und das ist der Grund, warum der Film im Laufe der nächsten Jahre eine neue Reihe an Veröffentlichungen und Weiterverwertungen erleben soll, insbesondere eine internationale Kino-Tour einer 3D-Version des Films im Beisein von Beagle selbst. Von dieser Tour ist bisher zugegebenermaßen nur auf Beagles Webseite zu lesen, doch ein eindeutiges Indiz für die Seriosität dieser Pläne ist doch vor einigen Wochen aufgetaucht: eine anscheinend Deutschland-exklusive Bluray, auf der die 3D-Version jetzt schon für das Heimkino veröffentlicht wurde.
Zu einer Zeit, wo die Konvertierungen alter Klassiker schon wieder zurückgehen und selbst Disney in dieser Hinsicht nur noch Rückzieher macht, wird uns nun also dieser vergleichsweise kleine Kult-Film in 3D neu präsentiert, und das nur für den deutschen Markt (eine ähnliche Sonderbehandlung bekamen wir schon vor Jahren in Gestalt des Soundtracks). Der Film selbst hat diese „Ehre“ mit Sicherheit verdient und er bietet definitiv das Potential für eine solche Auswertung – es bleibt die Frage, ob die Möglichkeiten auch wirklich genutzt worden sind.

Dazu muss man zuerst sagen, dass für eine Konvertierung alles andere als optimale Voraussetzungen bestanden. Das verfügbare Bildmaster war gerade mal akzeptabel, und zusätzliche Daten, wie bei Die Schöne und das Biest und Der König der Löwen durch die CAPS-Technik gegeben, waren mit Sicherheit nicht vorhanden. Und gerade dieses Manko tritt oft allzu deutlich hervor: Gerade wenn einzelne, dünne Gegenstände wie Äste oder kleinere Tiere im Vordergrund stehen, sind deren Ränder teilweise sehr unsauber umschnitten, so dass noch ein guter Teil des Hintergrundes auf die vordere Ebene „gezogen“ wird. Dazu kommt ein gewisses Problem, wenn es um die Komposition von statischem Hintergrund und Figuren geht, wie wenn das Einhorn sich in frischgewonnener Menschengestalt an einen Baum lehnt, diesen aber perspektivisch nicht zu berühren scheint.
Außerdem haben zwar menschliche Gesichter in der Großaufnahme eine deutlich gewölbte Form, dies gilt allerdings nicht für das Einhorn selbst, das immer betont flach zu bleiben scheint – womöglich eine gute Entscheidung, erinnert man sich an die seltsam gezogenen Schnauzen im König der Löwen, aber immer wenn das Horn theoretisch in Richtung des Zuschauers steht, fällt diese Flachheit doch eindeutig auf.
All diese Mängel sollten aber nicht darüber hinwegtäuschen, dass es sich bei der Konvertierung um eine insgesamt wirklich gelungene Arbeit mit großartigem Ergebnis handelt. Zwar muss man zugeben, dass sie sich nicht auf Disney-Niveau befindet, aber das ist ja zugegebenermaßen der ganze Film nicht. Das letzte Einhorn hat insgesamt einen sehr viel schlichteren Stil, der stark von den mittelalterlichen Wandbehängen inspiriert scheint, die immer wieder so prägnant auftauchen. So hat nun auch die Konvertierung eine eher nach hinten verlagerte, schlichte, aber edle Qualität, die dem Film insgesamt gut zu Gesicht steht.

Das letzte Einhorn in 3D zu sehen, wird wohl weder überzeugte Kritiker des Films noch der 3D-Technik überzeugen können, aber wer den Film liebt, darf sich über die Konvertierung freuen – das Werk gewinnt ganz fraglos noch eine neue Dimension dazu. Und sollte jemand Gelegenheit haben, die 3D-Version auf der langfristig auch für Deutschland angekündigten Kino-Tour zu sehen, so kann ich dieses Erlebnis jedem Filmliebhaber nur wärmstens empfehlen.