Kategorie: Meine Gedanken

Cabin in the Woods und wir, die Uralten Götter

The Cabin in the Woods ist mit Sicherheit ein ungewöhnlicher Film. Während er im Marketing meist als seltsamer, aber doch klassischer Horrorfilm verkauft wurde, ist er in Wirklichkeit sehr viel mehr, und gleichzeitig um einiges weniger als das.
Statt geradlinigen Hollywood-Horror zu verkaufen, werden hier die klassischen Horrorklischees wunderbar verdreht und umgewertet. Der Film lebt von einer äußerst hintergründigen Erzählstruktur, die dem allzu bekannten Horrorkino einige unerwartete – oder wenigstens angenehme – Twists beschert. So nimmt sich das Ganze die alten, zu Tode gelaufenen Klischees und verleiht ihnen eine eigene Bedeutung. Hier macht es Sinn, dass die Blondine dumm ist; gerade über das Haarfärbemittel werden ihr ja Drogen verabreicht. Dass sich die Gruppe in der größten Gefahr aufteilt, liegt an einer chemischen Beeinflussung, die nur dazu dient, die Morde spannender zu gestalten. Die ganzen seltsamen Zufälle, der eingestürzte Tunnel, der Funkausfall in der ganzen Gegend – all das ist Teil der sorgfältig konstruierten Welt, die das geheimnisvolle Unternehmen für die Jugendlichen hergerichtet hat. All das als Teil eines großen Rituals, um die Uralten Götter einmal mehr zufrieden zu stellen.
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Trauere ich einer Zeichentrick-Eiskönigin nach?

Die Disney-Studios sind nicht nur berühmt für ihre Trickfilme, nein, der Name Disney an sich ist weltweit untrennbar mit dem Medium Zeichentrick verbunden. Und doch wurde diese Allianz schon vor vielen Jahren zum ersten Mal offiziell gebrochen; 2004 sollte ausgerechnet Die Kühe sind los das letzte Zeichentrick-Meisterwerk des Studios werden.
Es gab seinerzeit einen Aufschrei, der das gesamte Internet zum Erbeben brachte, nicht zuletzt auch deshalb, weil Disney zu diesem Zeitpunkt alles andere als vertraut mit dem Medium der Computeranimation war – wie der erste Disney-CGI-Film Himmel und Huhn lebhaft bewies. Ich selbst habe damals nicht in den allgemeinen Protest mit eingestimmt, zu abwegig kam mir die Vorstellung vor, dass diese Abwärtsspirale wirklich den zukünftigen Weg des Studios markieren sollte.
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Eine Nacht auf dem kahlen Berg – schauriges Glanzlicht der Animationskunst

Wenn mein liebstes Stück Zeichentrick die Nussknacker-Suite (insbesondere Der Tanz der Zuckerfee) in Fantasia ist, so ist das meiner Meinung nach beste Stück Animation überhaupt im selben Film zu finden: Es ist das letzte Segment, Mussorgskis Eine Nacht auf dem kahlen Berg.
Der Film Fantasia ist an sich ja schon ein reines Fest der Zeichentrickkunst. Der gesamte Film ist pure Poesie; eine aus dem Besten der Musik erschaffene Bildkunst. Und wenn die nachfolgenden Package-Filme auch einige nette Ideen beinhalten und der Nachfolger Fantasia 2000 seine ganz eigenen Vorzüge hat, so kann man doch feststellen, dass ein solch ambitioniertes Projekt seither nicht wieder in Angriff genommen wurde.

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Es geschah am hellichten Tag und Das Versprechen – ein Vergleich

Ich bin im Allgemeinen kein großer Krimi-Fan; es ist neben Science-Fiction das einzige Genre, mit dem ich generell wenig anfangen kann. Von dieser Regel gibt es jedoch zwei große Ausnahmen: die Sherlock-Holmes-Bücher von Sir Arthur Conan Doyle und die Kriminalromane von Friedrich Dürrenmatt. Es handelt sich bei den beiden Autoren um die absoluten Enden des Spektrums; sie spannen grob gesagt alles auf, was als Krimi denkbar scheint.
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Sin City 2 – erstklassiges Sequel, zweitklassiger Film?

Sin City – der Originalfilm – beginnt mit einer unabhängigen Episode um Liebe und Mord, so intensiv und berückend, wie sie kurz ist. Es gibt keine Erklärung dazu, der unbedarfte Zuschauer weiß von den Handlungsimpulsen und den äußeren Umständen praktisch gar nichts, doch er fühlt alles. Die Sequenz ist gerade für diesen Film ein genialer Startschuss; sie schafft Atmosphäre und zieht das Publikum unweigerlich in diese verstörende Welt hinein.
Ganz am Ende des Films wir diese Szene noch einmal kurz aufgegriffen; mit einem letzten Schlussbild wird die Verbindung zu einer anderen Geschichte gezogen und so als Buchende der gesamte Film perfekt abgeschlossen.

Sin City: A Dame to Kill For beginnt ebenfalls mit einer Kurzepisode. Wir treffen Marv, eine der Hauptfiguren beider Filme, und erleben ihn in einem kurzen Einzelabenteuer. Es gibt keine direkte Verbindung zum ersten Film, und doch sind sofort alle Zusammenhänge klar ersichtlich.
So werden die Fans von Sin City perfekt abgeholt; sofort ergibt sich das Gefühl, wieder ganz in der altvertrauten Welt angekommen zu sein. Und dass sich der Stil im Vergleich zum ersten Film leicht verändert hat, gerade durch das Hinzufügen der genial-stilisierten 3D-Effekte, verstärkt den Sog des Filmes höchstens noch.

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Der Besuch der Alten Dame: unterschiedliche Blickwinkel von Theaterstück und Musical

Über die Musical-Fassung von Dürrenmatts Der Besuch der Alten Dame habe ich seinerzeit schon einen Artikel geschrieben. Ich war von der Adaption nicht allzu begeistert, dafür weist sie durchgehend zu viele Schwächen auf, aber ich muss zugeben, dass ich mich dennoch nicht von dem Musical lösen kann.
Zum einen liegt das vielleicht daran, dass ich es als eine schmerzhaft verpasste Gelegenheit ansehe. Das Musical hätte wirklich genial werden können; selbst in seiner jetzigen Form hat es stilistische Ähnlichkeiten mit Drama-Größen wie Elisabeth oder Rebecca. Doch das vielversprechende Grundmaterial und die durchaus interessante Musik werden schließlich verwässert durch Texte und Inhaltsänderungen, die einer Seifenoper entsprungen scheinen und durch eigentlich gute Schauspieler, die hier entschlossen scheinen, die schmalzigste Performance ihrer Karriere abzugeben. Wie gesagt, es ist ein Jammer.
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Freizeitparks und das Erbe von Disneyland

Wenn man in unserer Zeit von Vergnügungs- oder Freizeitparks spricht, so steht im allgemeinen Disneyland irgendwo im Hintergrund als allmächtiges Beispiel. Egal von welchem der weltweit eröffneten Disney-Freizeitparks die Rede ist, seit Disneyland 1955 in Anaheim eröffnet wurde, spielen die Disney-Parks in einer ganz eigenen Liga. Schon damals war ja gerade das die eigentliche Intention Walt Disneys: Er wollte mit seinem Disneyland eine eigene Welt schaffen, in der sich Erwachsene und Kinder gleichermaßen in Träumen verlieren können – abseits der dreckigen Jahrmärkte und der Fahrgeschäft-Zusammenschlüsse, die zu jener Zeit die einzige Alternative darstellten.
Und in der Tat sind die Disney-Parks in ihrer Qualität lange Zeit einzigartig geblieben. Mit den Imagineers gibt es eine höchst gefragte eigene Berufssparte innerhalb des Disney-Komplexes, die sich nur mit der Weiterführung und immer weiteren Perfektionierung der Parks beschäftigt, und die Patente und aufsehenerregenden Erfindungen, die alleine für Disneyland entwickelt wurden, sind kaum zu zählen. So ist es auch kaum verwunderlich, dass die Disney-Parks einem Qualitätsstandard genügen, von dem die große Mehrzahl gewöhnlicher Vergnügungsparks nur träumen kann. Die Folge ist eben, dass Disneyland immer als ein Qualitätsvorbild im Hintergrund steht, mit dem sich andere Parks nicht nur vergleichen müssen, sondern zu dem sie auch was die Entwicklung neuer Fahrtgeschäfte angeht neugierig emporschauen.
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Klassische Werke in neuer Gestalt

Vor einigen Jahren gab es in der Fernsehbranche einen minderen Eklat, als der selbsternannte Literaturgott Marcel Reich-Ranicki während der Verleihung des Deutschen Fernsehpreises den ihm zugesprochenen Ehrenpreis live ablehnte, mit der Begründung, er „gehöre nicht in diese Reihe“ und fände es „schlimm, dass ich das hier viele Stunden ertragen musste. Diesen Blödsinn, den wir hier zu sehen bekommen haben.“.
Als Reaktion auf Reich-Ranickis ostentative Ablehnung bat ihn daraufhin der Moderator Thomas Gottschalk, mit ihm zusammen eine Diskussionsrunde zum Thema Fernsehen zu führen. Und wirklich wurde eine Woche später das Gespräch der beiden modernen Fernseh- und Literaturikonen ausgestrahlt, unter dem Titel „Aus gegebenem Anlass – Marcel Reich-Ranicki im Gespräch mit Thomas Gottschalk.“.
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Die Elenden: „Ich stahl doch nur ein Brot!“

Victor Hugos 1862 geschriebener Roman Les Misérables oder auf Deutsch auch Die Elenden ist ohne Zweifel eines der großen Werke der Weltliteratur – womöglich das größte überhaupt. Das Buch ist nicht nur den Seiten nach ausnehmend lang, es ist vor allem von seinem Inhalt her wahrlich ausufernd. Hugo hat es geschafft, in diesem Meilenstein der französischen Literatur in unwahrscheinlich viele verschiedene Gebiete einzusteigen, nicht nur, was den Inhalt und den Erzählungsrahmen angelangt, sondern vor allem auch von den philosophischen Themen des Romans her. Er geht ins Absolute, und das für so viele verschiedene Facetten des menschlichen Wesens und des Lebens an sich, dass der Leser am Ende nur sprachlos zurückgelassen wird. Die verschiedensten Themen werden behandelt, übersteigert bis ins Grenzenlose, ohne dabei doch je den realistischen Rahmen zu verlassen, der durch die ganz reellen menschlichen Leidenschaften aufgespannt wird. Das Ergebnis ist groß, ja gewaltig, und es funktioniert – auf philosophischer ebenso wie auf der reinen Handlungsebene.
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Eiskalte Engel – von Gefährlichen Liebschaften und Grausamen Absichten

Die leichtherzige Teenie-Komödie hat sich in Hollywood längst zu einem eigenen Genre entwickelt. Und ganz allgemein gilt: Wenn es in einem amerikanischen Film um eine Gruppe Highschool-Schüler geht, wenn die Hauptthemen ihre jeweiligen Beziehungen und Affairen sind, in einer ausgewogenen Mischung aus Drama und Comedy, dann ist es allgemein nicht verkehrt, das Schlimmste zu erwarten. Aber umso besser ist es, wenn sich ein solcher Film dann als unerwarteter Treffer entpuppt. Denn ab und zu gibt es Filme, die nicht nur an sich ein Juwel darstellen, sondern die es auch ganz nebenbei schaffen, das Vertrauen in die künstlerischen Fähigkeiten der Filmbranche wiederzuerwecken.
Ende der Neunziger gab es eine Zeit, da sich mehrere Filme sich in dieser Hinsicht kurz nacheinander beweisen konnten. Diese Handvoll Filme zeigte nicht nur, dass Teenie-Filme und Beziehungskomödien wirklich klug gemacht sein können, sie bewiesen ganz nebenbei auch, dass es absolut kein Verlustgeschäft sein muss, einem heutigen Publikum im Kino klassische Werke anzubieten.
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