Kategorie: Meine Gedanken

Die Eiskönigin – Beginn einer neuen Disney-Ära?

Als ich mich anschickte, Disneys neustes Meisterwerk Die Eiskönigin im Kino zu sehen, war ich vollkommen unvoreingenommen. In der Tat habe ich bei einem Film selten je so wenig gewusst, was mich erwarten würde, wie hier. Sowohl auf inhaltlicher Ebene – mir war klar, dass der Film entfernt von Andersens Schneekönigin inspiriert sein würde, aber auch nicht mehr – als auch gerade was die „Rolle“ angeht, die dieser Film für Disneys heutige Entwicklung einnehmen könnte. Und nach dem Kinobesuch war meine emotionale Reaktion wohl am ehesten mit „Verwunderung“ zu umschreiben. Ich hatte nicht gewusst, was ich erwarten sollte, aber es war auf jeden Fall nicht das gewesen.

(mehr …)

Weiter

Politiker und die Sache mit dem Privatleben

Für Politiker war und ist es immer schwer, ihr Privatleben von ihrer öffentlichen Position zu trennen. Gerade in der letzten Zeit haben diverse Skandale immer wieder dafür gesorgt, dass verschiedenste, oft längst verjährte Vergehen unserer Staatsmänner und -frauen in die Öffentlichkeit gezerrt wurden und die entsprechenden Personen regelmäßig Position und Ansehen kosteten. Man kann lange darüber diskutieren, ob eine derartige, eindeutig politisch motivierte Hexenjagd sinnvoll ist – am Ende hat wohl jeder Politiker, der in irgendeiner Weise auch Mensch ist, sich einmal etwas zuschulden kommen lassen, und in den meisten Fällen sagen die entsprechenden Fehltritte herzlich wenig über die wirklichen Qualifikationen der jeweiligen Sünder aus.
Doch natürlich muss man zugeben, dass es sich bei solchen Skandalen im Allgemeinen immer auf die eine oder andere Weise um wirkliche Vergehen handelte; Dinge, die ein scheinbar integrer Mensch und Politiker sich vorwerfen lassen muss. Unser aller liebstes Informationsmedium, die Zeitschrift Bild, hat jetzt allerdings (wieder einmal) einen neuen Tiefpunkt erreicht: FDP-Politiker sucht im Internet nach Sex-Sklavin
(mehr …)
Weiter

Der Schwetzinger Schlossgarten und Disneyland


Eine generelle Kritik, der sich der Disney-Konzern immer wieder stellen muss, ist die, dass Disney in Filmen und Freizeitparks eine allumfassende Traumwelt erschafft – und diese Einschätzung ist sicherlich nicht zu bestreiten.
Schon der Aufbau von Disneyland selbst spricht Bände; die Aufteilung in verschiedene Länder, in Western-, Dschungel-, Märchen- und Science-Fiction-Landschaft, die sich allesamt am Eingang einer amerikanischen Kleinstadtstraße treffen, und all das ist erst die Spitze des Eisbergs. In Disneyland treffen zahllose Welten und Universen aufeinander, alles soll so echt wie möglich wirken und das Ergebnis ist eine Scheinwelt, wie sie realitätsferner nicht sein könnte. Es ist nicht schwer zu verstehen, wie sich diese Fassadenlandschaft den Ruf einer eskapistischen Fälschung erwerben konnte.
Dabei sollte natürlich klar sein, dass die Disneyparks dafür nicht der erste und schon gar nicht der einzige Fall sind; es gibt für diese Art Realitätsneuschöpfung genug historische Beispiele. Dafür muss man nicht weitergehen als zur direkten Vorlage des Disney‘schen Dornröschenschlosses: Schloss Neuschwanstein, das König Ludwig II erbauen ließ, um seine mittelalterlichen Märchenvorstellungen zu verwirklichen. Aber das für mich passendste Beispiel ist der Schwetzinger Schlossgarten.
(mehr …)

Weiter

Selbstfindungsprobleme à là Disney

Disney ist zweifelsohne ein wahrhaft riesiger Konzern – mit einem riesigen Ego. Sie sind bekannt dafür, in jeder Hinsicht gut auf ihr Eigentum zu achten und es wenn nötig mit Zähnen und Klauen zu verteidigen, und sie haben sicherlich mehr recht als mancher andere auf eine solche Einstellung. Schließlich verfügt Disney über den vielleicht größten ideellen Inhalt irgendeines heutigen Unternehmens.

(mehr …)

Weiter

Warum Operngesang unverständlich ist – eine Überlegung


Wenn man sich die Unterschiede anschauen will, die in der heutigen Auffassung zwischen Opern- und Musicalaufführungen gemacht werden, betritt man schnell ein weites Feld – ich könnte von bemühter Kulturrettung reden, von Subventionierungen und prätentiösen Inszenierungen, bei denen mehr Wert auf das Ego des Regisseurs gelegt wird als auf das Interesse der Zuschauer. Aber ich denke, dass einer der bedeutenderen Punkte, die nicht allzu offensichtlich scheinen, in der Frage besteht, welche Stellung der Gesang selbst in der Inszenierung innehat.
(mehr …)

Weiter

‚We Will Rock You‘ sucks!

Das Prinzip von Jukeboxmusicals, also Shows, die bereits bekannte Schlager in eine mehr oder weniger zusammenhängende Geschichte einbetten, gibt es schon seit den 60er Jahren, doch spätestens seit dem Abba-Zusammenschnitt Mamma Mia! erlebt diese Art der Musical-Produktion ein völlig neues Hoch. Ob nun Ich war noch niemals in New York oder Hinterm Horizont, die Hits bekannter Stars zu nutzen, um vor allem die nostalgiebelastete Generation damit in die Musical-Säle zu locken, ist ein nahezu risikofreies Erfolgsprinzip. Dabei ist die eigentliche Geschichte, die sich zwischen den Liedern versteckt, beinahe gleichgültig, dient sie doch kaum zu mehr als zu einem Alibi um die wahren musikalischen Stars zum Scheinen zu bringen. Das heißt natürlich nicht, dass solch ein Unterfangen aus künstlerischer Sicht von Anfang an zum Scheitern verurteilt ist – gerade die Filmversion von Mamma Mia! hat mir sehr gefallen, nicht zuletzt deshalb, weil trotz des Gute-Laune-Charakters von Geschichte und Musik auch durchaus für tiefgreifendere Momente Raum gelassen wurde. Und auch eine simple Story mit garantiertem Happyend kann schließlich zu gefallen wissen, solange sie authentisch aufgebaut ist und sich traut, sich selbst ernst zu nehmen.
(mehr …)
Weiter

Warum ich den Ring des Nibelungen nicht leiden kann

Dass die Nibelungensage in ihren verschiedenen Ausprägungen ein Stück absoluten deutschen Kulturgutes darstellt, ist nicht erst seit der Stellungnahme von Dr. King Schultz in Django Unchained klar. Schultz bezeichnet die Heldenlegende um den Drachentöter Siegfried als die bekannteste deutsche Sage, und wenn er den Helden seiner eigenen Geschichte, Django, mit Siegfried vergleicht, soll dies zweifellos ein enormes Kompliment für seinen neuerworbenen Freund darstellen.
Ich bin froh, zu bemerken, dass Django 1858 spielt, also ganze 16 Jahre bevor das Opernepos des „urdeutschen“ Komponisten Richard Wagner seine Premiere feierte. Würde Schultz den Ring des Nibelungen kennen, so hätte er wohl entweder eine andere Meinung von Siegfried, oder meine eigene Meinung von Waltz‘ bislang wohl sympathischster Leinwandgestalt müsste durch diese Einschätzung erheblich leiden. Denn um die Wahrheit zu sagen: Bei Wagner zeigt sich der große Held Siegfried als ein einziger Widerling.
Siegfried ist arrogant, unverschämt, er schreckt weder vor Körperverletzung, Mord, noch (augenscheinlich) vor Vergewaltigung zurück. Und das ist nicht mein einziges Problem mit Wagners Opernzyklus – aber von Anfang an:
(mehr …)
Weiter

Rebecca, wo du auch immer bist …

Wenn heute Abend im Stuttgarter Palladium-Theater der Vorhang aufgeht, wird Mrs Danvers auf Manderley zum letzten Mal ihre tote Herrin beschwören.

Schon nach sechs Jahren Spielzeit kann man Rebecca zweifelsfrei als eines der großen deutschen Drama-Musicals bezeichnen. Das Stück von Michael Kunze und Sylvester Levay nimmt die Handlung von Daphne du Mauriers Roman, den schon Hitchcock erfolgreich verfilmt hat, und schafft es problemlos, die gesamte Bandbreite von Liebesdrama, mystischem Thriller und Kriminalroman musikalisch und inszenatorisch packend umzusetzen.
(mehr …)

Weiter

Hoffnung, Schindlers Liste und der Heilige Abend

Schindlers Liste ist sicherlich kein leicht verdaulicher Film. Doch es gibt eine bestimmte Szene, die den Zuschauer auf ganz besondere Weise mitnimmt – und das, obwohl sie sich relativ weit am Ende des Filmes befindet. Nun, was kann den Zuschauer nach all dem Grauen, nach all dem Sterben und dem Leid noch mitnehmen?
Es ist die Grausamkeit enttäuschter Hoffnung.

Wenn der Zug mit den Jüdinnen, die in Schindlers Fabrik gebracht werden sollten, durch ein reines Versehen nach Auschwitz fährt und den Frauen klar wird, wo sie sich befinden, ist dies unerträglich, eine Erkenntnis schlimmer als jedes andere Leiden. Das liegt nicht etwa an der Verbundenheit des Zuschauers mit diesen Frauen, die man bis dahin kaum kennengelernt hat. Alles was man weiß, ist, dass sie darauf vertraut hatten, zu Schindler zu kommen, und diese Enttäuschung erscheint einfach unerträglich.
(mehr …)

Weiter

Der Reiz der Jellicle-Cats

Ich bin ein großer Musical, oder genereller gesagt, Musiktheater-Fan, und ganz besonders interessiert mich der Werdegang, den das Genre des durchkomponierten Drama-Musicals in den letzten dreißig Jahren durchgemacht hat. Aber generell weckt das Stichwort Musical auch andere Assoziation; ob nun alte, beinahe operettenartige Stücke, Hollywood-Filme mit gloriosen Tanzszenen, oder einfach ein unbeschwerter Theaterabend mit Tanz und Musik.
Für viele ist die Personifikation des unbedarften Musical-Spaßes sicher Sir Andrew Lloyd Webbers erster Megaerfolg: Cats. Das Werk ist seit seiner Uraufführung 1981 ein Vorzeigestück modernen Musicaltheaters und hat eine nicht zu verleugnende Prägung auf die gesamte Theater-Szenerie ausgeübt.
Neben Webbers durchgehender Ohrwurm-Musik biete die Show Tanz, Comedy, Artistik und jede Menge Glamour – und dabei so gut wie gar keine Geschichte. Nebenbei: Diese Einschätzung hat Cats zwar mit Starlight Express gemein, doch haben in diesem Vergleich die Züge das bedeutende Nachsehen, dass sie im Gegensatz zu den Kätzchen felsenfest in dem Jahrzehnt ihrer Schöpfung festgebacken sind.

(mehr …)

Weiter