Kategorie: Literatur

Der Besuch der Alten Dame: unterschiedliche Blickwinkel von Theaterstück und Musical

Über die Musical-Fassung von Dürrenmatts Der Besuch der Alten Dame habe ich seinerzeit schon einen Artikel geschrieben. Ich war von der Adaption nicht allzu begeistert, dafür weist sie durchgehend zu viele Schwächen auf, aber ich muss zugeben, dass ich mich dennoch nicht von dem Musical lösen kann.
Zum einen liegt das vielleicht daran, dass ich es als eine schmerzhaft verpasste Gelegenheit ansehe. Das Musical hätte wirklich genial werden können; selbst in seiner jetzigen Form hat es stilistische Ähnlichkeiten mit Drama-Größen wie Elisabeth oder Rebecca. Doch das vielversprechende Grundmaterial und die durchaus interessante Musik werden schließlich verwässert durch Texte und Inhaltsänderungen, die einer Seifenoper entsprungen scheinen und durch eigentlich gute Schauspieler, die hier entschlossen scheinen, die schmalzigste Performance ihrer Karriere abzugeben. Wie gesagt, es ist ein Jammer.
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Klassische Werke in neuer Gestalt

Vor einigen Jahren gab es in der Fernsehbranche einen minderen Eklat, als der selbsternannte Literaturgott Marcel Reich-Ranicki während der Verleihung des Deutschen Fernsehpreises den ihm zugesprochenen Ehrenpreis live ablehnte, mit der Begründung, er „gehöre nicht in diese Reihe“ und fände es „schlimm, dass ich das hier viele Stunden ertragen musste. Diesen Blödsinn, den wir hier zu sehen bekommen haben.“.
Als Reaktion auf Reich-Ranickis ostentative Ablehnung bat ihn daraufhin der Moderator Thomas Gottschalk, mit ihm zusammen eine Diskussionsrunde zum Thema Fernsehen zu führen. Und wirklich wurde eine Woche später das Gespräch der beiden modernen Fernseh- und Literaturikonen ausgestrahlt, unter dem Titel „Aus gegebenem Anlass – Marcel Reich-Ranicki im Gespräch mit Thomas Gottschalk.“.
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Die Elenden: „Ich stahl doch nur ein Brot!“

Victor Hugos 1862 geschriebener Roman Les Misérables oder auf Deutsch auch Die Elenden ist ohne Zweifel eines der großen Werke der Weltliteratur – womöglich das größte überhaupt. Das Buch ist nicht nur den Seiten nach ausnehmend lang, es ist vor allem von seinem Inhalt her wahrlich ausufernd. Hugo hat es geschafft, in diesem Meilenstein der französischen Literatur in unwahrscheinlich viele verschiedene Gebiete einzusteigen, nicht nur, was den Inhalt und den Erzählungsrahmen angelangt, sondern vor allem auch von den philosophischen Themen des Romans her. Er geht ins Absolute, und das für so viele verschiedene Facetten des menschlichen Wesens und des Lebens an sich, dass der Leser am Ende nur sprachlos zurückgelassen wird. Die verschiedensten Themen werden behandelt, übersteigert bis ins Grenzenlose, ohne dabei doch je den realistischen Rahmen zu verlassen, der durch die ganz reellen menschlichen Leidenschaften aufgespannt wird. Das Ergebnis ist groß, ja gewaltig, und es funktioniert – auf philosophischer ebenso wie auf der reinen Handlungsebene.
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Eiskalte Engel – von Gefährlichen Liebschaften und Grausamen Absichten

Die leichtherzige Teenie-Komödie hat sich in Hollywood längst zu einem eigenen Genre entwickelt. Und ganz allgemein gilt: Wenn es in einem amerikanischen Film um eine Gruppe Highschool-Schüler geht, wenn die Hauptthemen ihre jeweiligen Beziehungen und Affairen sind, in einer ausgewogenen Mischung aus Drama und Comedy, dann ist es allgemein nicht verkehrt, das Schlimmste zu erwarten. Aber umso besser ist es, wenn sich ein solcher Film dann als unerwarteter Treffer entpuppt. Denn ab und zu gibt es Filme, die nicht nur an sich ein Juwel darstellen, sondern die es auch ganz nebenbei schaffen, das Vertrauen in die künstlerischen Fähigkeiten der Filmbranche wiederzuerwecken.
Ende der Neunziger gab es eine Zeit, da sich mehrere Filme sich in dieser Hinsicht kurz nacheinander beweisen konnten. Diese Handvoll Filme zeigte nicht nur, dass Teenie-Filme und Beziehungskomödien wirklich klug gemacht sein können, sie bewiesen ganz nebenbei auch, dass es absolut kein Verlustgeschäft sein muss, einem heutigen Publikum im Kino klassische Werke anzubieten.
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Das Prinzip des Fortsetzungsromans

Ich bin ein großer Bücherliebhaber, und ganz besonders ein Fan der Literatur des neunzehnten Jahrhunderts. Und gerade bei den Werken der Autoren dieser Zeit kommt man früher oder später unweigerlich an ein ursprünglich als Fortsetzungsroman geschriebenes Buch. Gerade zu dieser Zeit war der Zeitungs- oder Feuilletonroman für viele Autoren die übliche Veröffentlichungsart, darunter so namhafte Schriftsteller wie Alexandre Dumas, Gustave Flaubert, oder auch Charles Dickens. Wie der Begriff schon andeutet, erschien das Buch dabei jeweils in kleinen Häppchen in einer regelmäßig erscheinenden Zeitung, oft über mehrere Jahre hinweg, und wurde dann bei Erfolg am Ende schlicht noch einmal in gebundener Form herausgebracht.
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Vom Winde verweht – It’s all coming back to me now

Margaret Mitchells 1936 erschienener Roman Vom Winde verweht ist nicht nur einer der großen Klassiker der Weltliteratur, die unstete Hassliebe zwischen Scarlett O’Hara und Rhett Butler ist auch in die Geschichte eingegangen als eines der ganz großen Liebesdramen unserer Zeit. Dabei stellt sich mir immer wieder die Frage, weshalb Buch und Film alleine für die Liebesgeschichte solch notorische Bekanntheit erlangt haben? Gerade im Buch nimmt die Beziehung der beiden ja beileibe nicht den größten Raum ein; es ist ein Entwicklungsroman, ein Kriegsdrama, die Verherrlichung einer untergegangenen Zeit – all das steht weit mehr im Vordergrund als die so berühmt gewordene Liebesgeschichte. Und doch ist das Erste und oftmals Einzige, womit der Durchschnittsmensch die Geschichte beschreiben würde, sicherlich die Liebesbeziehung zwischen den beiden Maultieren im Pferdegeschirr.
Diese Einschätzung geht schließlich so weit, dass Film und Buch heutzutage gerade bei Menschen, die den Inhalt gar nicht kennen, als typische Kitschromanze verschrien sind. Dabei wüsste ich keine Liebesgeschichte, die diese Einschätzung weniger verdient.

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Silberschellen und Klatschmohn – der kleine Prinz, Anna und Mister Gott

Die beiden Werke Der kleine Prinz und Hallo Mister Gott, hier spricht Anna gehören für mich unbestreitbar zu den großen Klassikern der Weltliteratur. Diese beiden Bücher, in denen zwei einmalige, überlebensgroße Kindergestalten verewigt worden sind, scheinen mir auf geradezu sonderbare Weise verwachsen. Weswegen das so ist, lässt sich in einem Satz kaum sagen, aber ein Beispiel mag der Vergleich der berühmtesten Zitate der beiden Bücher sein – zwei Zitate, die eine wenn auch nicht ähnliche, so doch auf seltsame Art verwandte Aussage bieten:
„Man sieht nur mit dem Herzen gut. Das Wesentliche ist für die Augen unsichtbar.“
und
„Der Unnerschied von einen Mensch und einen Engel ist leicht. Das meiste von ein Engel ist innen, und das meiste von ein Mensch ist außen.“
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Die Verwendung des Wortes ‚Nigger‘ in Huckleberry Finn

Ich habe einige Zeit darüber nachgedacht, wie ich diesen Artikel schreiben soll. Alleine darüber, wie ich eine Überschrift finde, bei der sich ein Großteil der Leser (und insbesondere die anvisierte Zielgruppe!) nicht sofort empört abwendet. Ehrlich gesagt bin ich ja beinahe erstaunt, dass ich das Wort ‚Nigger‘ in diesem Blog offen ausschreiben und sogar im Titel verwenden darf. Aber natürlich sind all diese Überlegungen ziemlich sinnlos, denn in dem Moment, da ich mich für dieses Thema entschieden habe, war klar, dass ich bei manchen Lesern mit Sicherheit Empörung auslösen werde.
Andererseits geht es hier um Huckleberry Finn, es geht um große Literatur, und solange ich in Sachen Empörung mit Mark Twain in einem Boot sitze, kann ich mich wirklich nicht beschweren.
Kurz gesagt können wir wohl festhalten, dass der Bereich Political Correctness und der richtige Umgang damit ein außerordentlich komplexes Thema darstellen.
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Schwarze Mühlen und Zaubererbrüder

Bei der Geschichte von dem Zauberergesellen Krabat handelt es sich um eine alte Sage, die jahrhundertelang in unterschiedlichen Ausprägungen überliefert wurde. Den festen bildet die Gestalt des kroatischen (daher der Name „Krabat“) Zauberers, der durch die Lande wandelt, ob nun mit guten oder bösen Intentionen.
Die heutzutage bei uns bekannteste Version dieser Sage ist wohl Krabat von Otfried Preußler, auch wenn das 1971 erschienene Buch insgesamt betrachtet nur eine von vielen modernen Bearbeitungen des Stoffes ist: Gerade drei Jahre zuvor veröffentlichte Jurij Brězan seine Adaption Die schwarze Mühle.
Im Gegensatz zu den zuvor gängigen Geschichten über den Zauberer Krabat stellt Brězan in seinem Buch die Vorgeschichte in den Vordergrund. Beinahe die Hälfte des Buches beschäftigt sich mit Krabats Lehrzeit auf der Mühle und seinem wachsenden Widerstand gegen den Meister. Die Betonung liegt dabei immer auf dem Hauptbestreben des jungen Mannes: Er sucht nach Wissen, und er will alles dafür tun, dem Meister seine geheimen Bücher abzuluchsen.
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Shakespeare & Fluch der Karibik

Wahrscheinlich kennen einige der Leser das Gesellschaftsspiel „Tabu“, bei dem die Mitspieler vorgeschriebene Begriffe erklären müssen, ohne bestimmte naheliegende Assoziationen zu verwenden. Als wir dieses Spiel einmal in größerer Runde spielten, stellte mein neunjähriger Bruder die Frage: „Wer hat Fluch der Karibik geschrieben?“ Ich war mir ziemlich sicher, dass Ted & Terry keine mögliche Tabu-Antwort darstellen, und ich brach die Runde ab, um ihn nach der vermeintlichen Lösung zu fragen. So kamen wir darauf, dass der zu erratende Name „Shakespeare“ war – die Erklärung meines Bruders: „Romeo und Julia durfte ich ja nicht sagen!“
In der darauffolgenden allgemeinen Heiterkeit wurde ihm klar, dass er einen Fehler gemacht hatte und er wandte sich beleidigt ab. Ich musste ihm schnell erklären, dass wir nicht ihn auslachen, und dabei stellte sich die Frage: Warum ist diese spezielle Fehlannahme so amüsant?
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