Kategorie: Filmrezensionen

Spielt The Zero Theorem in derselben Liga wie Brazil?

Das offensichtliche Erkennungsmerkmal aller Filme von Terry Gilliam ist, dass sie alles in allem äußerst seltsam sind. Was würde man sonst auch von dem Mann erwarten, der zu seinen Monty-Python-Zeiten für die surrealen Zeichentricksegmente der Serie verantwortlich war? Es gibt nur einen einzigen Film von Gilliam, der mir beim ersten Mal ansehen gleich gefallen hat, und das ist ausgerechnet Tideland, eine verstörende Traumfantasie, die man wohl am besten als Kombination aus Alice im Wunderland und Psycho beschreiben kann. In allen anderen Filmen hatte ich (zumindest bei der Erstsichtung) immer das irritierende Gefühl, der Regisseur hätte sich zu wenige, oder aber mit Abstand zu viele Gedanken über das Thema des Films gemacht.
Es lässt sich nicht verleugnen, dass Gilliams Filme durch die Reihe starke, faszinierende Kunstwerke darstellen, die gerade in ihrer Einmaligkeit beeindrucken. Gerade Brazil, Gilliams absurde Quasi-Adaption von Orwells 1984, stellt sicherlich ein besonderes Meisterwerk dar. Der Film wurde seinerzeit von seinem Studio verächtlich unter den Teppich gekehrt, nur um dann durch Mund-zu-Mund-Propaganda einen umso beeindruckenderen Erfolg zu feiern. Und ich muss zugeben, dass meine Wertung zu Beginn genauso geschwankt hat: Bei meiner Erstsichtung konnte ich nicht viel mit dem überladenen Machwerk anfangen, und erst von Mal zu Mal hat sich mir der Film als der Geniestreich eröffnet, der er sicherlich ist.

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Fluchtliteratur – von hässlichen Entlein, roten Rentieren und der Seeräuber-Jenny

Es gibt immer wieder den allgemeinen Vorwurf, jede fiktive Literatur sei eine Form von Eskapismus. Und je nachdem, wie man diesen Begriff definieren will, könnte man es sicherlich so ausdrücken. Jede Art Fiktion, ob nun in Buch oder Film, ja, jede Art von Kunst ist schließlich dazu geschaffen, den Rezipienten fortzutragen und ihm ein Erlebnis zu bieten, das jenseits der direkten, erfahrbaren Realität liegt.
Natürlich gibt es bei genauerer Betrachtung dann doch die unterschiedlichsten Impulse, die zum Schaffen von Kunst führen. Es gibt Kunst, deren Zweck es weniger ist, die Menschen aus der realen Welt fortzuführen, als vielmehr, sie dazuzubringen, nachzudenken, und ihre eigene Welt neu zu erfahren. Gerade im Bereich von Buch und Film genügen sich viele Werke auch darin, den Zuschauern eine simple Moral in hübscher Verpackung vorzustellen; einen Leitfaden, den man so oder so ähnlich auf das eigene Leben anwenden könne.
Aber unter all den Formen, die gerade moralisch angehauchte Kunst haben kann, gibt es dann doch immer wieder einen Bereich, der nicht anleiten oder gängeln will, sondern der sich darin genügt, seinen Zuschauern ein schönes, angenehm-gemütliches Bild zu bieten von einer Welt, in der am Ende schon alles gut werden wird. Eine Welt mit der einfachen Aussage: „Wenn es dir heute auch dreckig geht, morgen sieht sicher alles wieder besser aus.“

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Shakespeare in Love und Black Swan: Die Kunst im Schöpfen von Kunst

Es gibt eine Menge Filme, die sich mit dem Thema Kunst und insbesondere dem Leben einzelner Künstler beschäftigen. Es ist sicherlich ein dankbares Thema; richtig erzählt kommt dabei regelmäßig eine unwahrscheinliche Erfolgsgeschichte mit inspirierendem Charakter heraus. Da sich kaum jemand mit vergessenen oder dauerhaft erfolglosen Künstlern beschäftigt, bieten solche Werke am Ende fast immer das Motiv eines Einzelkämpfers, der durch harte Arbeit schließlich die verdienten Erfolge feiern darf.
Ein anderer Grund für die Beliebtheit der Kunst als Literatur- oder Filmthema ist sicherlich die Nähe, die die Autoren und Filmemacher selbst zu den verschiedenen künstlerischen Berufen fühlen. Ob es nun um Schriftsteller geht, um Schauspieler oder Sänger: All diese Professionen sind ja selbst Teil der Filmbranche und finden somit gerade während des Erschaffungsprozesses als Filmthema reges Interesse. Daher ist es auch nicht verwunderlich, dass es sehr viel mehr Filme über Schriftsteller oder Tänzer gibt, als beispielsweise über Bildhauer.

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Cabaret und Chicago – zwei Stücke von Dekadenz und Laster

Bei Cabaret und Chicago handelt es sich um zwei Musicals, die in Handlungsaufbau und Stimmung ungemein spannend zu vergleichen sind. Die Ähnlichkeiten der beiden Bühnenstücke sind auf den ersten Blick offensichtlich: Es handelt sich um dieselben Autoren, die Stücke zeigen einen ähnlichen Stil und scheinen sich auch inhaltlich stark zu gleichen.
Beide Musicals spielen in der goldenen Zeit zwischen den beiden Weltkriegen, in der bunten Flitterwelt der 20er beziehungsweise Anfang der 30 Jahre. Es ist eine zündende Zeit, in der die Vorahnung des kommenden Krieges für eine einmalige Stimmung der Lebenslust und Dekadenz sorgt, einer Dekadenz, der auch die verschiedenen Figuren beider Werke zur Gänze verfallen scheinen. Gerade die Hauptfiguren, Sally Bowles und Roxie Hart, sind beide Varieté-Sängerinnen mit großen Ambitionen, und damit auf ihre Weise geradezu der Inbegriff für ein Leben von Laster und zweifelhafter Moral.

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Hätte Into the Woods sein Potenzial besser nutzen können?

Die Nachricht, dass ausgerechnet Disney sich daran macht, Into the Woods zu verfilmen, hat von Anfang an für verwirrte Blicke gesorgt. Immerhin bietet Sondheims Märchenmusical nicht die charmante Art von Märchensubversionen, die Disney selbst in letzter Zeit so gerne benutzt. Nein, Into the Woods nimmt die Grimm’schen Geschichten, so originalgetreu wie Disney es sich sonst niemals trauen könnte, und geht damit noch einige Schritte weiter. Pädophilie, Verstümmelungen und Ehebruch sind nur einige der Themen, die dabei ganz direkt behandelt werden.
Doch wie sich im fertigen Film herausstellte, ist Disney auf ungewohnte Weise über seinen Schatten gesprungen. Ja, man hat sich geweigert, mit Rapunzel die jüngste Disney-Prinzessin in einer selbstmörderischen Rage der Riesin zu opfern, doch das wohl eher aus firmenpolitischen Gründen. Der Rest des doch eher dunklen Stückes ist durchaus originalgetreu umgesetzt, und alleine durch das sehr viel direktere Medium Film wirken die eine oder andere Szene noch um einiges brutaler als auf der Bühne.

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Zeichentrick, Western, Liebesfilm – das Problem der Genreeinteilung

Wir alle leben in Einteilungen und Klassifizierungen; das ist für uns Menschen die natürliche Art, unsere Welt zu begreifen. Wir modellieren unsere Umwelt für unseren Geist nach – und wie alle Modelle ist das Ergebnis generell hilfreich, aber falsch. Denn natürlich ist die menschliche Einteilung in den meisten Fällen zu simpel gehalten. Das führt zu vereinfachten Kategorien, zu Vorurteilen und schlimmstenfalls Diskriminierung. Und was in der Gesellschaft ein Problem darstellt, ist im Bereich der Kunst um keinen Deut besser.

Ganz allgemein lassen sich die vielen verschiedenen Arten von Geschichten, die wir in Filmen und Büchern erleben, in verschiedene Genres unterteilen. Es sind einfache Labels, die helfen sollen, einen ersten Eindruck zu vermitteln, die es einfacher machen, über verschiedene Filme zu reden, und die schlicht ein gewisses Ordnungssystem im Dschungel der Kunst darstellen. Wenn ich höre, dass ein bestimmter Film eine „Komödie“ ist, so weiß ich direkt, auf welche Stimmung ich mich einzustellen habe, und ich kann einschätzen, ob ich gerade Lust auf diese Art Film habe.
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Wie Disney mit Baymax einen neuen Weg gefestigt hat

Baymax

Disneys neuestes Meisterwerk Baymax hat von Anfang an gewisse Vergleiche mit anderen Filmen angestoßen. Zum einen war da der unglaubliche Erfolg von Disneys letztem Streich, der Eiskönigin; ein Erfolg der weder auf seiner finanziell noch kulturellen Ebene so bald wiederholt werden kann. Doch zum Glück hat sich Baymax dieser unmöglich zu erreichenden Anforderung alleine durch sein Thema schon enthoben. Ein weiteres Märchenmusical, das der Eiskönigin direkt gefolgt wäre, hätte solch eine Kritik sicherlich in vollem Umfang auf sich gezogen, ähnlich wie der oft verglichene „Flop“ Pocahontas, der in Sachen Epik und Leidenschaftlichkeit die gleichen Wege wie der Überraschungserfolg Der König der Löwen einzuschlagen versuchte. Doch Baymax ist ein actionlastiger, wenn auch höchst emotionaler Superheldenfilm; ein allzu direktes Nebeneinanderstellen mit den vorangegangenen Märchenfilmen schließt sich daher von selbst aus. (mehr …)

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Frank’N’Furter, Lisle von Rhoman und der Finger Gottes

Wenn man sich eine bildliche Darstellung Gottes vor Augen rufen will, so wird man wohl unweigerlich auf Die Erschaffung des Adam von Michelangelo stoßen, den zentralen Teil des Deckenfreskos der Sixtinische Kapelle. Das Bild ist so ikonisch wie kaum ein religiöses Gemälde sonst, und als die Darstellung der Erschaffung des Menschen an sich hat es sich längst im allgemeinen Bewusstsein verewigt.

Von daher ist dieses Gemälde ideal für jede Art von übertragener Nutzung oder auch symbolischer Verwendung, gerade auch in abgewandelter Form. Ob es nun um eine „offizielle“ Darstellung des Spaghettimonsters oder um ganz simple Parodien oder Hommagen an den christlichen Glauben geht, Michelangelos Bild ist stets ein Garant für einen allumfassenden Wiedererkennungswert des Originals.
Unter den endlosen Wiederverwendungen und Verfremdungen des Gemäldes habe ich persönlich zwei ganz klare Favoriten, nämlich die Nutzung der Erschaffung des Adam in der Rocky Horror Picture Show und in dem (sicherlich von ersterem inspirierten) Der Tod steht ihr gut – zwei filmische Werke, die Michelangelos Meisterwerk auf nahezu identische Weise einsetzen.
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Strange things did happen: The Hanging Tree und Das Lied vom Henkersbaum

Ob in Buchform oder auf der Leinwand, Katniss Everdeen hat in kürzester Zeit eine gesamte Generation für sich gewonnen. Die Tribute von Panem sind ein wunderbares Beispiel für Jugendliteratur, die sich zurecht auch unter Erwachsenen durchsetzen konnte, und seit Jennifer Lawrence in Hunger Games der jungen Kämpferin Gesicht und Stimme geliehen hat, ist Katniss und ihr Spottvogel-Ruf längst im allgemeinen Kultur-Gedächtnis verankert. So sehr, dass sich bei den jüngsten Aufständen in Thailand der Panem-Salut als allgemeines Freiheits-Symbol durchgesetzt hat.

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Von Transcendence zu Interstellar

Im Frühling diesen Jahres entwickelte sich das Sciencefiction-Drama Transcendence trotz Starbesetzung zu einem so unerwarteten wie katastrophalen Flop. Die Kritik des Regiedebüts war weitgefächert; die Handlung sei zu flach, zu kompliziert, der Film zu abgehoben oder zu vorhersehbar.
Ich persönlich fand den Film alleine genommen schlichtweg – in Ordnung.

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