Dieses Jahr war es wieder so weit; ein neuer Asterix-Film kam in die Kinos, um mit amerikanischen und japanischen Produktionen um die Zuschauerschaft zu streiten. Das Erste, was dabei an der neuen Comicband-Verfilmung auffiel, war, dass es sich um einen Computer-generierten Film handelte – ein Novum bei den Verfilmungen der gallischen Abenteuer. Für mich persönlich war es das erste Anzeichen, den Film mit einer gewissen Menge Misstrauen zu begutachten, denn da der klassische Zeichentrick sich vom Stil her eigentlich sehr viel besser für die Verfilmung eines gezeichneten Comicbands eignet, liegt die Vermutung nahe, dass die Wahl des Mediums in diesem Fall rein Marketing-bedingt getroffen wurde.
17deEin anderes ungünstiges Vorzeichen für den Film bestand darin, dass die gesamte Werbung sich rein an ein sehr kindliches Publikum zu wenden schien, mit Trailern, in denen außer Wildschweinjagden und verhauenen Römern kaum etwas vom Film selbst gezeigt wurde. Diese scheinbare Fokussierung auf die jüngeren Zuschauer mutet um so seltsamer an, als in diesem Film der Band Die Trabantenstadt verfilmt wurde, eines der politischeren und inhaltlich fordernderen Abenteuer der unbesiegbaren Gallier.

Die Geschichte des Bandes, der für den Film in das sehr viel handlichere (und dem Original besser entsprechende) Asterix im Land der Götter umgetauft wurde, klingt wie ein Bild der jüngeren Asterix-Geschichte selbst: Cäsar hat vor, das Dorf der unbeugsamen Gallier zu unterwerfen, indem er eine römische Siedlung direkt vor den Toren des Dorfes errichten lässt. Dadurch würden, so seine Überlegung, die dickköpfigen Barbaren schnell durch die römische Kultur infiltriert und ihr Lebenswandel von innen heraus zersetzt werden.
Man könnte sich bei dieser Beschreibung an eine Menge zweitklassiger Filme und drittklassiger Comicbände erinnert fühlen, die das Ansehen der einst so großartigen Comic-Reihe geradezu mit Absicht zu unterwandern scheinen – eine Entwicklung, der ich beim Erscheinen des letzten Bands schon einen Artikel gewidmet habe.

Aber wie schlägt sich der neue Asterix-Film nun wirklich?
82972Der erste Eindruck ist durch die sehr künstlich wirkende Computeranimation nicht allzu positiv geraten. Das Cover der DVD lässt eher an eine zweitklassige Computerspiel-Graphik denken, und gerade die ersten Minuten des Films sind in ihrer bewusst künstlich gehaltenen Optik nicht dazu geeignet, diesen negativen Eindruck zu heben. Aber sobald der Film einmal Fahrt aufnimmt, steigert sich auch das Aussehen zunehmend, so dass die ungewohnte Optik nach kurzer Zeit schon kaum noch auffällt.
Wie um die Zuschauer mit dem neuen, eher unpassenderen Stil zu versöhnen, fährt der Film dagegen alle Vorzüge auf, die ein klassischer Zeichentrickfilm, gerade auf dem qualitativen Niveau der früheren Asterix-Produktionen, nicht bieten kann. Das gallische Dorf kann nun erstmals bei jeder Witterung erstrahlen, von einem rosaroten Abendhimmel bis zur düsteren Nebel-Stimmung. Und besonders während der großen Endschlacht zwischen den hohen Gebäuden der Trabantenstadt kann die Computeranimation groß auftrotzen; gerade bei der Mischung aus deftigen Kämpfen und subversivem Slapstick ist die neuartige Optik, insbesondere in 3D, grandios anzuschauen.

0888750285195_1Aber mit Abstand wichtiger als die Optik des Films ist ja die Frage nach der Handlung; dem einzig wahren Kern und Angelpunkt eines jeden Asterix-Abenteuers. Wie gut schafft es der Film, den Witz des Comicbandes, die grandiose Kombination aus frecher Gesellschaftskritik und perfekt getimter Komik vom gezeichneten Bild auf die Leinwand zu übertragen?
Die Antwort ist klar: Die Umsetzung der Geschichte gelingt nahezu ideal.
Ein klassisches Problem aller Asterix-Verfilmungen besteht darin, dass der klassische Comicband mit seinen 42 Seiten schlicht zu wenig Inhalt für einen Film in Spielfilmlänge hat. Daher haben sich die verschiedenen Filme immer neuer Wege bedient, um die zu Grunde liegende Geschichte zu erweitern, indem sie sie durch zusätzliche Szenen und Lieder strecken wie in Asterix und Kleopatra, indem sie verschiedene Asterix-Abenteuer zusammenfassen wie in Sieg über Cäsar, oder wie im letzten Zeichentrickfilm Asterix und die Wikinger, der sich streckenweise ganz auf eine neue Liebesgeschichte konzentrieren, die mit Asterix und seinen Freunden wenig zu schaffen hat.
0614b1e36c02d16b7afe45d9e15f7f13Ich muss zugeben, dass mich im Fall der Trabantenstadt die Umsetzung der bekannten Szenen aus dem Comic zu Beginn nicht ganz überzeugt hat. Gerade die erste Szene, in der Cäsar seinen Senatoren seinen neuesten Plan erklärt, lässt sich zwischen Comicband und Film sehr gut vergleichen, und dabei fällt auf, dass die Witze im Film eher simpler gehalten und Kinder-geeigneter geraten sind. Aus Anspielungen auf den Bellum Gallicum und Cäsars überzeugtes Selbstbild werden hier alberne Obst-Witzeleien und ein eher Slapstick-artiges Auftreten des großen Imperators. Aber wenn derartige Abweichungen den gesamten Film über immer wieder auffallen, so ist doch zu bemerken, dass es für jeden Gag, der nicht ganz so gut sitzt wie im Comicband, mindestens eine neue Pointe gibt, die dem Original voll und ganz gerecht wird.
Aber die mit Abstand größte Abweichung zum Band liegt im Ende des Films, das sich noch um einen ganzen Handlungsakt über das Comic-Ende hinwegzieht. Im Gegensatz zu dem meisten anderen Asterix-Filmen wurde die „überschüssige“ Laufzeit nicht genutzt, das vorhandene Abenteuer weiter aufzublähen, sondern die bekannte Geschichte wurde schlicht weitergeführt – lustig, mit bösen Seitenhieben, und insgesamt in bester Asterix-Manier. Ob es nun Asterix ist, der eine verlorene Situation durch geistesgegenwärtigen Witz zu meistern weiß, die Legionäre, die mit ihrem anhaltenden Herumdiskutieren den schon sicheren Sieg wieder verspielen, oder die Dorfgemeinschaft, die sich, wenn es darauf ankommt, flugs auf ihre alten Werte besinnt – der letzte Akt des Films beeindruckt mit der klassischen Story-Qualität alter Comics, die in den letzten aktuellen Verarbeitungen schon gänzlich verloren schien.

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Das Ergebnis ist schließlich ein grandioser Film, der den klassischen Asterix-Charme voll und ganz wiederzuerwecken weiß. Von simplem, gut ausgewogenem Slapstick über die sparsam aber dafür umso effizienter eingesetzten Hommagen bis natürlich zu der klassischen, gut durchdachten Satire ist in dem Film und insbesondere seinem neuen Finale alles da, was das Fanherz begehren mag.
So stellt sich also das zu Beginn gezeichnete Bild als falsch heraus: Dieser Film ist nicht die fremde Invasion, die unser gallisches Dorf unterminiert, eher stellt er die übergelaufenen Gallier selbst dar, zwar in neuem, „modischem“ Gewand, aber darunter noch ganz die alte Rasselbande, die sich als immun gegen jede Infiltration herausstellt.

Asterix-im-Land-der-Goetter-1024x576-8c37df51b6e75609Es geht also doch; auch heute noch gibt es neben Goscinny andere Autoren, die gute Asterix-Geschichten schreiben können. Da fragt man sich nur, weshalb solche Talente nicht auch mit dem Verfassen neuer Comicbände betraut werden (wenn es diese schon unbedingt geben muss). Wieso wurde stattdessen der im Oktober erscheinende Band Der Papyrus des Cäsar von demselben eingeschlafenen Team geschrieben wie das letzte Desaster Asterix bei den Pikten?
Nun, die Qualität des neuen Bands bleibt wohl abzuwarten. Aber ungeachtet aller neuer Comic-Versuche muss ich sagen, solange es weiter so gute Verfilmungen geben wird wie Asterix im Land der Götter, bin ich mit dem Schicksal des kleinen Galliers durchweg zufrieden.