Nach Der König der Löwen und Die Schöne und das Biest (zu dem ich hier etwas geschrieben habe) ist Arielle, die Meerjungfrau nun das dritte Disney-Meisterwerk, das nachträglich eine 3D-Konvertierung erhalten hat. In Amerika lief der Film in seiner neuen Pracht teilweise sogar wieder im Kino, während er auf Deutsch nicht einmal in 3D erschienen ist – allen Begeisterungsstürmen der wiederaufgelegten Alt-Synchro zum Trotz.

Es gibt einige Gründe, warum Arielle eine gute Wahl für die Konvertierung darstellt. Der Film ist heute schon ein Klassiker von ungebrochener Beliebtheit, er ist Teil der Fab Four und Beginn einer neuen Disney-Ära. Dazu kommt das Unterwasser-Setting, das für einen 3D-Film so viel Potenzial bietet, wie es sonst nur großangelegte Flugszenen tun. Diese Kombination war wohl auch der Grund, warum der Film trotz seiner nicht CAPS-erstellten Daten umgesetzt wurde, auch wenn die Konvertierung so dieselben Schwierigkeiten bot wie bei einem gewöhnlichen Spielfilm. Also, wie sieht das Ergebnis aus?

Dass an der Ausführung der Konvertierung nichts anzumerken ist, dafür steht alleine der Name Disney. Und natürlich sieht gerade die Unterwasser-Szenerie grandios aus – sogar noch sehr viel beeindruckender als in der 3D-Version von Findet Nemo, den Disney letztes Jahr wieder ins Kino gebracht hat. In dem Pixar-Film ist das Meer schon so realistisch dargestellt, inklusive Lichtbrechung, Algen und Schmutzpartikel, dass der Bruch zwischen „Filmwelt“ und Projektionszimmer klar zu sehen war und der Zuschauer so eher das Gefühl hatte, in ein überdimensionales Aquarium von außen hineinzuschauen. Hier dagegen handelt es sich um eine Zeichentrickwelt, die mit klassischen Mitteln weitaus stilisierter dargestellt ist. Es sind vor allem die Umgebung, die Figuren selbst und die unzähligen Luftblasen (wo diese am Meeresgrund auch immer herkommen), die die räumliche Unterwasser-Tiefenwirkung anzeigen – und das Ergebnis ist ein „richtiger“ 3D-Effekt, bei dem der Zuschauer direkt in die fremdartige Umgebung hineinversetzt wird.
Besonders eindrucksvoll gelingt dies natürlich, wenn die entsprechenden Bewegungen der Figuren und/oder der Kamera den fließenden Raum-Effekt verstärken. Gerade im Herzstück des Films, dem Lied „Arielles Traum“, in dem sie in ihrer Grotte von der fremden Überwasserwelt schwärmt, gelingt dies meisterhaft: Die Komposition aus Arielles dreidimensionalen, fließenden Bewegungen, den kreativen Kamerawinkeln und den alles umschießenden Höhlenwänden sorgen für eine wirklich eindrucksvolle 3D-Wirkung, die die Stimmung der Szene perfekt unterstreicht. Ganz besonders kommt dies im Schlussbild des Liedes zum tragen, wenn die kleine Meerjungfrau vom Boden ihrer Grotte sehnsüchtig nach oben blickt, während sich die Kamera langsam entfernt. Gerade diese Kamerabewegung, die Arielles Sehnen noch weiter unterstreichen soll, wird durch die Dreidimensionalität und die verschiedenen Ebenen der Höhlenwände immer noch weiter verstärkt.

Es gibt noch einige weitere Höhepunkte der 3D-Konvertierung, wie die kurz darauf folgende Szene des Schiffsunterganges, die mit dem tiefenverstärkten Sturm und dem bis zum Zuschauer wehenden Regen grandios umgesetzt ist. Und auch Tritons wütender Ausbruch gegen seine Tochter war wohl nie so eindrucksvoll, genau wie Ursulas Zauberspektakel in „Arme Seelen in Not“, wenn Qualm und Hexenwerk den gesamten Raum für sich in Anspruch nehmen.
Doch ab dem Szenewechsel von Unterwasser- zu Landwelt wird es etwas ruhiger, was die Effekte angeht. Die Konvertierung ist immer noch makellos, doch gibt es in Erics Königreich einfach nicht so viele Gelegenheiten für die Tiefenwirkung, sich wirklich herauszutun. Positiv zu erwähnen bleibt dabei sicher die „Küss sie doch“-Szenerie, wo die Bewegung des Bootes zwischen all dem bunten Getier und die kreisende Kamerafahrt den 3D-Effekten wiederum Gelegenheit lassen, zu erstrahlen. Und natürlich das Finale, das zwischen wilden Strudeln und wiedererweckten Geisterschiffen schließlich noch einmal einen großen Augenschmaus bietet.

Arielle, die Meerjungfrau darf in seiner 3D-Form in neuem Glanz erstrahlen, auf eine Weise, bei der sich die Mühe der Konvertierung sicher gelohnt hat. Aber dennoch ist klar, dass der Film (wie eigentlich auch seine beiden Vorgänger) nur nachrangig wegen seines Potentials für eine 3D-Konvertierung ausgewählt wurde – darin würden andere Schätze wie Aladdin, Der Glöckner von Notre-Dame oder Der Schatzplanet die kleine Nixe sicherlich noch überflügeln. Der Grund für gerade die Filme, die bisher erschienen sind, liegt ganz offensichtlich darin, dass es sich eben um drei der beliebtesten Meisterwerke des Disney-Kanons handelt.
Aber nichtsdestotrotz kann jeder 3D-affine Disneyfan dankbar sein für das Werk, das hier geschaffen wurde. Arielle sieht traumhaft aus wie nie zuvor, und als einziger Wunsch bleibt zurück, dass in absehbarer Zeit auch Ute Lempers Gesang die dreidimensionale Grotte der Meerjungfrau erfüllen darf.